Endlich Zeit finden für und mit Hund

Mit diesem Artikel außer der Reihe nehme ich Bezug auf die Blogparade von Susanne Kumm. Erst habe ich meinen Beitrag lange hinausgeschoben und nun holt mich das Thema ganz von alleine ein. Das hat auch mit #endlich Zeit finden zu tun. Warum schafft man es manchmal nicht, Dinge umzusetzen, die man sich vornimmt, obwohl ausreichend Zeit zur Verfügung stünde und warum passiert es dann, dass es trotz wenig Zeit auf einmal flutscht? Was mich heute motiviert ist, dass ich auf einen Aspekt von #endlich Zeit finden gestoßen bin, der mich inspiriert, weil er mit mir und meinem Herzensthema Persönlichkeitsentwicklung mit Hund zu tun hat. Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen. Mehr Artikel zum Thema #endlich Zeit finden findest du bei Susanne (übrigens hat sie auch einen ganz süßen Hund und das verbindet uns natürlich 🙂 ) http://emotures.de/allgemein/blogparade-endlich-zeit-finden

Gerade verdichtet sich die Zeit wieder einmal sehr stark und viele Menschen haben das Gefühl, den Anschluss zu verlieren. Erst kürzlich habe ich vom Phänomen der Beschleunigungsgesellschaft gelesen. Der Begriff trifft es ganz gut, findest du nicht auch?

Ständig neigen wir dazu, den Atem anzuhalten, uns anzuspannen und gleichzeitig noch einen Schritt schneller zu gehen. Am Ende des Tages geht uns prompt die Luft aus. Diese Tendenz nehme ich auch im Bereich Persönlichkeitsentwicklung mit Hund wahr. Wenn du mit deinem Hund an einem Thema arbeitest, dann kennst du sicher Zeiten, in welchen gar nichts voran geht. Du mühst dich nach bestem Wissen und Gewissen, aber es verändert sich nichts und scheinbar trittst du auf der Stelle. Irgendwann kommt dann ein Moment, in dem es „Klick“ macht. Das sind wirklich heilige Momente der Erkenntnis über die wir uns riesig freuen können. Damit du aber überhaupt an diesen Punkt kommen kannst, braucht es eines unbedingt: Die Zeit. Der innere Prozess, Dinge zu verstehen und zu lernen braucht Zeit, manchmal sehr viel Zeit.

Gras wächst nicht schneller, indem man daran zieht.

Es ist ein Dilemma, dass in der Beschleunigungsgesellschaft dafür wenig bis gar kein Raum ist. Gerade weil uns so viele Techniken des Zeitsparens zur Verfügung stehen, werden diese schon als selbstverständlich vorausgesetzt. Anstatt die gewonnene Zeit zu genießen, entsteht der Druck, dass wir noch mehr in weniger oder der gleichen Zeit schaffen können. Unter Hundlern hört man dann schon mal solche Sätze:

  • „Wie du machst schon ein halbes Jahr Hundeschule und dein Hund zieht immer noch an der Leine?“
  • „Ich übe doch schon zwei Tage mit meinem Hund, dass er ruhig neben mir sitzen bleiben soll und es funktioniert immer noch nicht.“

Nicht nur Hundetrainer/innen raufen sich bei solchen Aussagen die Haare. Denn sie spüren die Ungeduld und den Druck ihrer Kund/innen ganz nah. Dazu ist gar nicht so leicht auszuhalten und selbst geduldig zu bleiben, wenn die Hilfestellung nicht sofort wirkt. Dabei geht es im Training mit dem Hund nicht um Effektivität und Effizienz, es geht um Beziehung. Beziehung fußt auf Vertrauen und Vertrauen wächst über die Zeit. Vielleicht können wir die industrielle Produktion beschleunigen und unsere Wegzeiten von einem Ort zum anderen verkürzen, doch diesen Prozess des Lernens und der persönlichen Entwicklung können wir nicht mit Druck vorantreiben.

Wie findet man ausreichend Zeit für und mit Hund?

1. Druck raus!

Wenn du merkst, dass du an eine persönliche Grenze kommst, du deinen Widerstand spürst, dann hör auf, schnell sein zu wollen. Genau das, was du spürst, ist wichtig und will wahrgenommen werden. So wie es jetzt gerade ist, ist es gut. Dieser Moment gehört dazu auch wenn er nicht angenehm ist.

Das gilt auch, wenn du im Training mit deiner Kundin merkst, dass sie gerade nicht weiterkommt und innerlich verzweifelt. Anstatt zu argumentieren oder noch mehr Tipps zu geben, geh einen Schritt zurück und nimm den Druck raus. Es ist okay.

2. Vom Kopf in den Körper

Wenn es nicht so schnell vorwärts geht, wie wir uns das vorstellen, verlieren wir uns in Erklärungsversuchen, Interpretationen und Analysen. Dieses Nachgrübeln, woran es nun liegen könnte, ist schon ab und zu angebracht, doch bringt es uns weit weg vom Gefühl. In der Beziehung zu Tieren und ganz sicher auch zu Menschen, brauchen wir aber genau das: unser Gespür, unser Bauchgefühl, unsere Erdung. Atem- und Körperübungen, lassen dich den Boden unter den Füßen spüren und bringen dich zurück ins Gefühl.

3. Dinge wirken nach

Im Hundetraining ist weder für Trainerinnen noch für Hundehalterinnen immer genug Zeit, alle Fragen zu stellen, alle Hinweise zu erkennen und auf alles einzugehen. Das führt dazu, dass gerade bei akuten Problemen beide ziemlich unter Druck stehen, innerhalb einer Stunde möglichst viel zu erreichen. Um wieder ein bisschen Luft zu bekommen und den Druck rauszunehmen, hilft es, sich daran zu erinnern, dass das, was erlebt wird noch nachwirkt. Du musst nicht sofort alles verstehen, nicht sofort eine Lösung wissen. Das gilt für beide Trainerin und Hundehalterin. Wichtiger ist es, das ein Raum entstehen kann, in welchem Mensch und Hund mit allem was ist, sein dürfen, aufatmen können und spüren, es wird ihnen geholfen.

Ein Wendepunkt auf dem Weg mit Cosmo war ein Kommunikations- seminar bei Lexlupo im Vorarlberg. Meine Freundin und ich sind mit den Hunden hingefahren, um die beiden Trainer Erwin und Christoph kennen zu lernen, denn wir wollten im darauffolgenden Jahr die Alpenüberquerung mit ihnen machen. Die Inhalte waren uns nicht neu. Aber die Art und Weise der Vermittlung war neu. Immer wieder fiel der Satz „Spürst du es?“

Was ich in dieser kurzen Zeit sah, hörte und fühlte wirkt tatsächlich noch heute nach. Kennst du solche Momente, die dich unheilbar auf positive Art und Weise infizieren? Die Zeit stand für einen Augenblick still und es entstand eine Sehnsucht nach mehr. Diese Freiheit in den Bergen, dieses Gefühl von Verbundenheit mit meinem Hund, das wollte ich unbedingt wieder spüren. Es ging weder um eine neue Methode, noch um eine Verhaltensabklärung oder Bewertung. Mein Eindruck war, ich durfte so sein, wie ich bin und es ist okay. Ich war dort nach Langem wieder begeistert von meinem Hund.

Dieser „Klick“-Moment wirkt bis heute nach. Ich habe verstanden, wie wichtig das Gefühl in der Beziehung Hund-Mensch ist, gleichzeitig habe ich Menschen getroffen, die mir vermittelten, sie trauen es mir zu, meinen Weg mit Cosmo zu gehen. Das hat mir den Raum geöffnet, in dem ich wieder einen Schritt gehen konnte.

Ich wünsche dir in dieser hektischen Zeit, dass du immer wieder zurück zu diesem Gefühl findest, dass das, was gerade ist, richtig und gut ist. So findest du endlich Zeit für und mit Hund.

Anna Meißner ist Strukturgeberin für Persönlichkeit und Entwicklung. Sie hilft dir, genau der richtige Mensch für deinen Hund zu sein.

6 Comments

  1. Liebe Anna, dein Artikel hat mich sehr berührt. Ich habe mich in der Beziehung zu meiner Lucy wiedergefunden. Sie ist ein wundervoller Hund. Und obwohl sie schnell lernt, wenig Quatsch macht und unendlich liebevoll ist, erwische ich mich dabei, manchmal nur die negativen Dinge zu sehen. Sie ist jetzt 14 Monate alt. Hier darf ich wirklich geduldiger werden. Mit ihr, vor allem aber mit mir 😉
    Ganz liebe Grüße, deine Susanne (mit Lucy)

    • Hallo liebe Susanne,

      mensch das war ein Tag 😉 das hätte ich nicht für möglich gehalten, dass dieses Thema hinter dem #endlich Zeit finden auftaucht. Umso mehr freu ich mich darüber, dass du mich mit deiner Blogparade darauf gebracht hast. Ganz lieben Dank!

      Ich wünsche dir viel Geduld mit Lucy und dass ihr Zeit zusammen findet,
      bis bald

  2. Anna das ist einfach genial. Endlich lese ich mal was vom Spüren denn das ist mein Thema. Immer wieder muß ich an die Bücher von Carlos Castaneda über den Zauberer Don Juan denken.
    Eine Zeile hat sich mir ins Gehirn gebrannt. Don Juan sagte :“Es ist nur wahr wenn du es spüren kannst“
    Liebe Grüße
    Rosemarie und Grizzly

    • Hallo Rosemarie,
      das Zitat von Don Juan passt wirklich gut! Ich habe den Eindruck, dass ich mir mit diesem Artikel wieder ein bisschen mehr auf die Spur gekommen bin. Darum freu ich mich besonders, dass er dich anspricht. In diese Richtung möchte ich noch viel, viel mehr schreiben.
      Sei lieb gegrüßt <3

  3. Liebe Anna,
    vielen Dank noch mal, dass du dich an meiner Blogparade „Endlich Zeit finden“ beteiligt hast! Du und deine Blogleser finden jetzt alle 33 Blogartikel in meinem Resümee-Beitrag 7 wertvolle Gedanken über die Zeit, die du kennen solltest
    http://emotures.de/allgemein/7-wertvolle-gedanken-ueber-die-zeit-die-du-kennen-solltest

    Im August erscheint zu der Blogparade ein e-book, in dem ich alle Blogartikel strukturiert aufbereite und auch dir gerne zur Verfügung stelle. Denn das Thema „Zeit“ beschäftigt uns alle – in verschiedenen Lebensbereichen. Über neue Ideen, Erfahrungen anderer und ganz praktische Tipps können wir hoffentlich künftig alle mehr „Zeit finden“, „Zeit haben“ oder „Zeit gewinnen“.
    In diesem Sinne wünsche ich dir viel wertvolle Zeit für die wichtigen Dinge im Leben. Ganz herzliche Grüße schickt dir,
    deine Susanne

    • Liebe Susanne,
      eine tolle Idee die Blogparade #endlich Zeit finden zu starten. Es ist wirklich nicht so einfach, dem Strudel zu entrinnen 😉 Deine Zusammenstellung hilft auf jeden Fall weiter und regt an, dieses Thema bewusst anzugehen. Vielen Dank dafür!

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