Die erste Frage unter Hundebesitzer/innen ist meist: „Wie heißt er denn?“ Im Laufe des Gesprächs über unsere Hunde-Leidenschaft sind Menschennamen dann Schall und Rauch. So kann es durchaus passieren, dass du jemanden an der Supermarktkasse triffst und dir zwar der Name des Hundes einfällt, aber beim besten Willen nicht mehr der Name der Person. Was bleibt uns dann anderes übrig, als uns mit Hundenamen anzusprechen: Sind Sie nicht, … Luna?? Macht nichts, der Hundename ist sowieso Programm.

Hundenamen sind eng mit der Geschichte von Mensch und Hund verbunden.

Wir verbinden mit Namen bestimmte Eigenschaften und Namen erzählen immer auch eine Geschichte. Es gibt Hundenamen und Menschennamen. Aber woher wissen wir, dass es ein Hundename ist? Vielleicht weil wir unserer Fantasie bei der Namenswahl wirklich mal freien Lauf lassen können. Wenn du den Namen deines Hund ausgewählt hast, dann ist es mit Sicherheit ein Wort, das dir gefällt, nicht nur zu deinem Hund, sondern auch zu dir passt und damit auch ein Ausdruck deiner Persönlichkeit.

Leider gehen gerade die guten und starken Aspekte unserer Persönlichkeit schnell mal verloren. Vor allem dann, wenn wir mit dem Hund im Stress sind. Dann erzählen wir statt Namensgeschichten vorwiegend Problem-Hundegeschichten. Wir reden über den Problem-Hund bei Tierärzten, beim Hundetraining oder mit anderen Hundehalterinnen. Da ist vielleicht auch Druck, ein bestimmtes Ziel zu erreichen oder die Sorge, Fehler zu machen. Also wird bewertet, analysiert und nach Lösungen gesucht.

Dein Hund – Deine Geschichte

Wie du deine Geschichte mit Hund erzählst, macht etwas mit dir. In dem, was und wie wir über uns reden, steckt nämlich, was und wie wir über uns denken und wie wir uns selbst sehen. Albert Einstein hat mal gesagt: „Wir können unsere Probleme nicht auf dieselbe Denkweise lösen, wie sie entstanden sind.“ Aus diesem Grund möchte ich dich ermutigen, die Probleme mit deinem Hund einmal anders anzugehen, indem du – nur ausnahmesweise – keine Problem-Hundegeschichte erzählst, sondern deine Geschichte mit deinem Hund. Du kannst jetzt damit anfangen, indem du dich fragst:

Was hat der Name deines Hundes mit dir zu tun?

Ich hatte meine Geschichte lange Zeit wegen all der Probleme und Sorgen um meinen Hund vergessen. Aber indem ich sie neu erzählt habe, konnte ich meinen Hund auf einmal wieder mit anderen Augen sehen, daraus Kraft schöpfen und wieder meine Begeisterung spüren. Über die Namensgeschichte mit Cosmo habe ich zurück gefunden zu all dem, worum es mir mit Hund ursprünglich geht.

Eine neue Ordnung

Der Name meines Hundes war bereits da, bevor der Hund da war. Eine Studienfreundin hatte einen Hund, der Cosmo hieß und ich wusste direkt, so würde mein Hund einmal heißen.

Als ich meinen Hund im Tierheim Freiburg aussuchte, hieß er nicht Cosmo sondern Casper. Das hätte mir zu denken geben sollen. Die Tierpflegerin brauchte geschlagene 10 Minuten, um den kleinen Wirbelwind ins Geschirr zu packen und auf der Wiese vor dem Tierheim übten wir den Gordischen Knoten zu entwirren, der sich in nullkommanix in die Flexileine geflochten hatte. Hier war der Name offenbar Programm. Aber ich wollte ja unbedingt einen „Cosmo“ und taufte den wilden Kerl kurzerhand um. Mit dem Einzug in sein Zuhause – das war zumindest der Plan – sollte er ein „Cosmo“ sein.

Doch der Weg vom Casper zum Cosmo war ein langer und steiniger. Es dauerte Jahre bis Cosmo in seinen Namen hineinwuchs und diese Geschichte ist auch irgendwie eine unendliche Geschichte. Der Weg führte über die Erkenntnis, dass wir mit Druck und gegeneinander nicht weiter kommen und über die Erfahrung, dass es leichter wird, wenn man sich selbst und sein Gegenüber wahrnehmen lernt und miteinander arbeitet. Wir haben einen Weg gefunden, jedem seinen Raum zu geben. Gleichzeitig fordert mein Hund nach wie vor von mir, meinen Raum einzunehmen. Er erinnert mich immer wieder daran, mich innerlich zu ordnen und souverän zu führen. Ich wollte einen Hund, der „Cosmo“ heißt und mit dem ich arbeiten kann. Bekommen habe ich den wilden Kerl, der auch mit mir arbeitet.

„Cosmo“ lässt sich vom griechischen Wort Kosmos ableiten und das heißt übersetzt „Ordnung“. Ich habe in Casper, dem kleinen Chaoshund, etwas Größeres gesehen, nämlich das, was er heute für mich ist. Cosmo hat mein Leben auf den Kopf gestellt und neu sortiert. Ich habe mit ihm gelernt, wie wir auch im größten Chaos die Struktur wieder in uns finden können. Der Name meines Hundes steht daher für eine neue, größere Ordnung.

Diese Geschichte berührt mich ganz tief. Es ist meine Geschichte und die Geschichte der Strukturgeberin. Über die Geschichte mit meinem Hund bin ich mir wieder näher gekommen und wenn ich mir näher komme, komme ich auch meinem Hund näher. Würden wir Albert Einstein Glauben schenken, dann können sich auf diese Weise auch die ein oder anderen Probleme mit Hund lösen lassen.

Jetzt bist du an der Reihe: Weißt du noch wie dein Hund zu seinem Namen kam?