Hundetrainer trainieren Hunde – zumindest sehen viele Menschen diesen Hundeberuf so. Ich habe mich für die Berufsbezeichnung „Hundecoach“ entschieden, doch auch das umschreibt für mich nicht, was ich unter meiner Berufung Hund verstehe. Ich trainiere Hunde indirekt schon, denn ihre Menschen bringen sie zu mir, damit sie bestimmte Dinge üben und festigen können. Doch viel mehr leite ich die Menschen bei diesem Training an, die Lernaufgaben hundegerecht zu vermitteln, empathisch auf die Voraussetzungen und Möglichkeiten der Hunde zu reagieren und sich anhand der Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem Unterricht auch selbst weiterzuentwickeln.

Ich zeige Menschen, wie sie der beste Freund ihres Hundes werden…

Meine Firma heißt BEST FRIEND ACADEMY. Dahinter steckt für mich ein mehrdeutiger Sinn. Hier lernen Hunde, der beste Freund für ihren Menschen zu sein. Doch genauso lernen hier die Menschen, der beste Freund für ihren Hund zu sein. Im Endeffekt geht es hier um eine Freundschaft, an der beide wachsen dürfen. Weiterentwicklung und Lernfreude stehen hier im Vordergrund für Hund und Mensch. Eine gesunde Freundschaft wird von beiden Seiten aus gepflegt und gefördert. Es gibt keinen, der den anderen andauernd unter Druck setzt oder ihn nur gerne hat, wenn er sich so verhält, wie es erwünscht ist. Freundschaft lebt von Verständnis, Offenheit, Bereitschaft zu wachsen und dazuzulernen, sich kennen zu lernen. Diese Vision hatte ich schon immer, wenn ich an das Leben mit einem Hund gedacht habe.

…egal, wo sie gerade stehen.

Die Menschen in meinem Berufsalltag setzen natürlich an unterschiedlichsten Punkten an. Die einen hatten schon immer Hunde, die anderen sind von heute auf morgen auf den Hund gekommen und die nächsten haben schon verschiedene Hundeschulen durch und sind kurz davor die Hoffnung auf hilfreiche Lösungen aufzugeben. Auch die Charaktereigenschaften, die Lebensumstände und die Vorstellungen meiner Kunden können sehr weit auseinander gehen und die Kunst besteht darin, alle dort abzuholen, wo sie sich wohl und richtig fühlen und von wo aus sie sich dennoch weiterentwickeln dürfen. Ehrliche, aber immer auch wertschätzende und konstruktive Worte sind dabei das A und O.

Unterordnung löst in mir Unbehagen aus

Kommando, Befehl, Unterordnung – diese Worte lösen immer Unbehagen in mir aus, denn sie erinnern mich eher an Sklaverei als an Freundschaft. Natürlich ist es wichtig, mit seinem Hund kommunizieren zu können, sich auf ihn verlassen zu können, Verantwortung für ihn zu tragen und ihn sicher durch unsere Menschenwelt zu führen, wenn er unsere Führung benötigt. Das ist auch in einer Freundschaft ein liebevoller Akt, nämlich immer dann, wenn sich der eine Freund besser bei etwas auskennt, als der andere Freund. Doch das heißt nicht, dass ich Tag und Nacht raushängen lassen muss, dass ich am längeren Hebel sitze oder meinen Hund gar herumschubsen sollte.

Freundschaft heißt, einander zu vertrauen

Mein Hund wird ein viel zuverlässigerer und stabilerer Alltagsbegleiter sein, wenn er seine Stärken kennt, ausleben darf und Anerkennung dafür erfährt. Wenn er weiß, dass er mit Verständnis und Zutrauen rechnen darf. Wenn er gelernt hat, sich selbst und mir zu vertrauen. Wenn er nach und nach lernen darf, wann er sich wie ideal verhalten kann, damit es in den verschiedenen Situationen möglichst zufriedenstellend für ihn und seine Menschen läuft. Wenn er keine Angst davor haben muss, Fehler zu machen oder Emotionen zu haben.

Als Hundecoach bin ich auch Unternehmerin

Das Verständnis und Feingefühl für Hunde weiterzuentwickeln, das Leben für Hunde und ihre Menschen zu vereinfachen, der wundervollen Spezies Hund eine Botschafterin zu sein – das verstehe ich unter meiner Berufung Hund. Um es meinen Kunden leichter zu machen, nenne ich mich Hundecoach. Ich arbeite in diesem Beruf seit 2015 und habe gleich mit meiner eigenen Hundeschule gestartet. Das heißt, ich bin nicht nur Hundecoach, sondern auch Unternehmerin. Da ich bisher alleine gearbeitet habe, war ich so auch für alle Abteilungen meines Unternehmens zuständig. Außerdem arbeite ich seit Anfang 2017 auch als Autorin und habe seither ein Hörbuch, zwei eBooks, zahlreiche PDF-Handouts für meine Kunden und einen Onlinekurs bei CANISCLASS veröffentlicht. Auch ein Buch ist in Planung. Seit August 2017 bilde ich übrigens auch meine zukünftige Mitarbeiterin namens Katja aus. Ich bin sehr froh, sie gefunden zu haben, denn auch sie lebt für die Philosophie der BEST FRIEND ACADEMY.

So sieht mein Alltag als Hundecoach aus

Als Hundecoach habe ich verschiede Möglichkeiten zu arbeiten. Meine drei Hauptbereiche sind Einzelcoaching, Gruppenunterricht und Veranstaltungen. Im Einzelcoaching arbeite ich mit einzelnen Kunden und ihren Hunden. Häufig geht es hierbei um Probleme im Hundealltag, wie zum Beispiel Leineziehen, Artgenossenaggression, Trennungsangst oder unerwünschtes Jagdverhalten. Im Gruppenunterricht helfe ich bis zu 6 Menschen pro Stunde, ihre Hunde verschiedenen Alters und Entwicklungsstandes zu einem motivierten und zuverlässigen Alltagsbegleiter auszubilden. Hier geht es mir tatsächlich eher darum, dass der Mensch etwas mitnimmt. Denn selbst wenn der Hund die Übung im Unterricht versteht, übt es keiner zuhause mit ihm, wenn der Mensch es nicht verstanden hat und der positive Effekt verpufft, sowie das Team mein Grundstück verlässt. Es ist mir sehr wichtig, dass die Hunde in ihrem ganzen Alltag gefördert werden und nicht nur, wenn ich dabei stehe. Außerdem sind die Kunden meist sehr dankbar für Hintergrundinformationen und tiefere Einblicke in den Sinn der Übungen.

Als Hundecoach arbeite ich vor allem mit den Menschen

Der Begriff HundetrainerIn verlockt die Kunden zu dem Glauben, sie müssten ihren Hund nur zum Training auf den Hundeplatz bringen, wie ihren Wagen zum Ölwechsel in die Werkstatt – aber so läuft es bei mir nicht 😉 Ich verkaufe genau genommen Wissen, schule die Intuition und Empathie, gebe meinen Kunden mentale Werkzeuge und zugehörige Anleitungen, damit die Werkstatt auf Dauer überflüssig wird und der Hundemotor so richtig rund laufen kann – tagein, tagaus.
Damit es allerdings nicht zu viel Theorie wird, während meine Kunden mit ihrem Hund auf dem Hundeplatz stehen, habe ich mich entschieden einmal im Monat einen extra Theorieabend ohne Hunde anzubieten, bei dem ich mit meinen SchülerInnen noch tiefer in die Thematik gehen kann. Wir sprechen über Dinge wie Lernverhalten, Sozialverhalten, Emotionen und Bindung, Beschäftigung, Pflege, Kommunikation und viele weitere spannende Themen.
Hin und wieder biete ich auch eintägige Seminare zu speziellen Themen wie beispielsweise Hundeköder-Prävention, Dummytraining oder Leinentraining an, je nach Bedarf. Diesen Bereich möchte ich, sobald Katja fest angestellt ist, auch weiter ausbauen und vielleicht auch bald mehr als Referentin auf Reisen gehen.

Bist du auch im Bereich Hundeerziehung und -training tätig? Wie siehst du Dich und deine Arbeit? Was ist für Dich im Berufsalltag wichtig? Schreib mir gerne in den Kommentaren. Ich freue mich auf einen offenen Austausch mit Dir!