Raus aus der Endlosschleife: Negative Muster wahrnehmen und durchbrechen

Viele Menschen denken, dass Probleme nur gelöst werden können, indem man sich furchtbar anstrengt, ganz viel darüber nachdenken und der Ursache auf den Grund gehen muss. Sie geben sich die Schuld und machen sich selbst dadurch fix und fertig. Beim Versuch, Probleme in der Mensch-Hund-Beziehung zu lösen, landen wir gerne in genau solchen Denk- und Handlungsmustern. Wie in einer Endlosschleife drehen wir dann Runde um Runde um das Problem, ohne einer Lösung wirklich näher zu kommen. In diesem Artikel geht es darum, wie du diese Denk- und Handlungsmuster durchbrechen und eine gute Lösung für dich finden kannst.

Im Stress greifen wir auf Denk- und Handlungsmuster zurück.

Gerade wenn uns etwas sehr nah geht, wir also unter besonderem Druck stehen, es richtig und gut machen möchten, spulen wir diese Muster automatisch ab. Ein Aha-Moment für mich war, als ich zum ersten Mal mit meinem Hund bei einem ZOS-Spaßturnier teilgenommen habe. Ich dachte, ich wäre kaum aufgeregt. Doch als ich dann auf dem Trümmerfeld stand und mein Hund nicht direkt anfing zu suchen, wurde ich hektisch, habe ihm etwa hundertmal dasselbe Kommando gegeben und dadurch so einen Druck aufgebaut, dass er schließlich anstatt das Zielobjekt zu suchen, anfing die Maulwurfshügel auf der Wiese umzugraben. Es war ein schrecklich peinlicher Moment für mich, aber ich musste das Video zur Reflexion gar nicht mehr ansehen, weil ich durch das Verhalten meines Hundes plötzlich kapiert habe, was für ein Film da bei mir abläuft.

Unsere Muster sind uns nicht bewusst.

Natürlich weiß jeder, dass es nichts bringt, wenn man sowieso schon im Stress ist, sich oder dem Hund noch mehr Druck zu machen. Aber genauso funktionieren diese Muster. Sie sind häufig gleichzeitig die Ursache dafür, dass unsere Probleme überhaupt erst entstanden sind oder sie sind selbst das Problem, weil sie zu Überforderung, Erschöpfung und Niedergeschlagenheit führen können. Du hast den Eindruck, dass du etwas tust, um das Problem zu bearbeiten, dabei rennst du eigentlich nur im Kreis. Das, was sich in Stressmomenten mit dem Hund abspielt, spielt sich auch im Alltag, im Job oder mit dem Partner ab. Das Tückische daran ist, dass es uns oft gar nicht bewusst sind.

Wenn wir uns selbst wieder spüren, können wir auch das Muster durchbrechen.

Heute kann ich herzlich darüber lachen, wie mein Hund mir mein Denk- und Verhaltensmuster aufgezeigt hat. Aber in diesem Moment auf dem Feld, in dem ich nicht mehr wusste, was ich tun sollte, fühlte es sich erstmal richtig unangenehm an. Ich weiß noch, wie ich mich geschämt habe und am liebsten in Tränen ausgebrochen wäre. Es braucht ganz schön viel Mut, in solchen Momenten zu sich selbst zu stehen und nicht mit dem gleichen Muster zu reagieren. Wie schnell sind wir Menschen dabei, die Tränen runter zu schlucken, den starken Mann oder die starke Frau zu markieren und uns unsere Schwächen nicht anmerken zu lassen. Genau das ist es aber, was unsere Hunde durchschauen. Sie merken es, wenn wir vorgeben, jemand anderer zu sein und unsere wahren Gefühle verdrängen. Als ich meinen Hund gesehen habe, wie er auf mich reagierte, konnte ich plötzlich auch meinen eigenen Druck wahrnehmen. Ich habe mich selbst wieder gespürt. Dieser kurze Augenblick war unglaublich befreiend. Wenn wir an diesem Punkt sind und uns selbst wieder spüren können, können wir auch das Muster durchbrechen. Am Ende erhielt ich bei der Siegerehrung einen Trostpreis. Dabei hatte ich etwas viel Wertvolleres gewonnen.

Das Prinzip der Endlosschleife

Es gibt viele Denk- und Handlungsmuster, die uns davon abhalten, mit uns selbst in Kontakt zu kommen und zu spüren, um was es gerade wirklich geht. Mit dem „Prinzip der Endlosschleife“ veranschauliche ich dir in dreizehn Sätzen, woran du erkennst, dass du in der Endlosschleife steckst. Findest du dich in ihnen wieder?

  1. Mach erst dann eine Pause, wenn du mit allem fertig bist.
  2. Versuche jemand anderer zu sein, als du bist.
  3. Nimm dir vor, morgen alles besser zu machen.
  4. Plane immer für alle möglichen Ereignisse.
  5. Warte darauf, dass dir jemand die Erlaubnis gibt, es so zu machen, wie du möchtest.
  6. Such nach der richtigen Methode.
  7. Frag das Internet nach einer Lösung.
  8. Vergleiche dich mit Ideal-Vorstellungen.
  9. Gib anderen die Schuld an deinen Problemen.
  10. Analysiere das Problem.
  11. Quäle dich mit Schuldgefühlen.
  12. Fang gar nicht erst an.
  13. Halte an deinen Prinzipien fest.

Wenn du dich ertappst, wie du nach dem einen oder anderen Prinzip handelst, kannst du dich bewusst entscheiden, damit aufzuhören. Statt nach dem alten Programm zu funktionieren, darfst du dich dir selbst zuwenden, deine Gefühle und Bedürfnisse wahrnehmen und nach ihnen leben. Das führt dich (fast) ohne Anstrengung zu einer guten Lösung – selbst in einer schwierigen Situation, die dir sehr zu Herzen geht. Mit jedem Denk- und Handlungsmuster, das du durchbrichst, wächst deine innere Freiheit.

Möchtest du an diesem Thema weiterarbeiten? Dann empfehle ich dir zum Einstieg mein Buch „Dein Hund – Deine Chance. Wie wir mit unseren Hunden persönlich wachsen“.

Hier kannst du dir das PDF „Raus aus der Endlosschleife“ kostenlos herunterladen und ausdrucken.

Gibt es einen Moment in deinem Leben, in dem dir dein Hund ein Muster aufgezeigt hat? Schreib mir doch deine Fragen und Gedanken zu diesem Thema. Ich freue mich über deinen Kommentar!

 

Anna Meißner ist Strukturgeberin für Persönlichkeit und Entwicklung. Sie hilft dir, genau der richtige Mensch für deinen Hund zu sein - nämlich du selbst.