Egal, was andere über dich sagen oder denken: Vier Tipps für ein dickeres Fell

Es gibt Situationen, die gehen einem nahe und zwar auf die unschöne Art. Besonders wenn es um emotionale Themen wie einen Hund geht. Menschen mit einem dicken Fell können sich diese unangenehmen Gefühle auf Abstand halten und ihnen scheint es ziemlich egal zu sein, was andere von ihnen denken oder über sie sagen. Empfindsamen Menschen – wie dir und mir – fällt das schon schwerer, weil wir uns manche Dinge viel zu sehr zu Herzen nehmen. In diesem Blogpost stelle ich dir vier Tipps vor, die dir helfen können, dich besser abzugrenzen.

Manche Menschen haben von Natur aus ein dickes Fell. Sie können sich gut abgrenzen und reagieren souverän. Davon gibt es nur wenige. Dennoch begegnet mir oft die Annahme, dass man ein dickes Fell entweder hat oder nicht. Bei vielen Menschen sieht es nur nach außen hin so aus, als würde es ihnen nichts anhaben, dabei rumort es in ihrem Inneren. Sie kriegen dafür Magengeschwüre, schlucken den Ärger hinunter oder lassen den Druck an anderen aus. Die meisten schicken Pelze sind bei näherer Betrachtung nur ein Fake.

Ein dickes Fell meint Unempfindlichkeit gegenüber Kritik, Angriffen, Stress

Umgangssprachlich versteht man unter einem dicken Fell die Unempfindlichkeit gegenüber Kritik, Angriffen oder Stress. Ein echtes Fell, wie das eines Wolfs, ist aber nicht unempfindlich. Im Gegenteil spüren natürliche Pelzträger sehr viel durch ihre zweite Haut. Das hilft ihnen in der Wildnis zu überleben, weil es in vielen Situationen wichtig ist, sich in andere, Menschen und Tiere, gut einfühlen zu können. Ein echter Wolfspelz bietet dir Schutz und ist gleichzeitig empfindsam, so wie du es brauchst. Nimm dir ein Beispiel an diesen Fellträgern. Mit den folgenden vier Tipps kannst du dir auch so einen Pelz zulegen.

1. Schaff einen innerlichen Abstand zwischen dir und der Situation

Wir nehmen das, was wir erleben, nicht objektiv wahr, sondern aufgrund unserer Vorerfahrungen. Unser Gehirn vermischt Beobachtung und Bewertung, damit wir schneller reagieren können. So müssen wir nicht mehr jede Situation neu interpretieren. Das führt aber auch dazu, dass dich deine Wahrnehmung täuschen kann, weil du schon Ähnliches erlebt hast. Um wieder zu mehr Objektivität zu finden, hilft es, die Situation, zu beschreiben ohne sie gleich zu bewerten.
Am besten notierst du dir schriftlich wie in einem Bericht, was passiert ist und beantwortest die Fragen: Wer, wie, wo, was, wann? Aus einer Geschichte wie dieser „mein Hund hat heute Morgen das ganze Dorf geweckt, als uns die Nachbarskatze begegnet ist. Er hasst sie, hat sich total aufgeregt und gemacht wie’s Messer. Ein Nachbar hat wieder genervt das Fenster geschlossen.“ wird dann die Beobachtung „heute Morgen um sieben sind wir einer Katze begegnet, mein Hund hat einen Satz in die Leine gemacht und etwa 10 Sekunden lang gebellt. Ich habe gehört wie in der Nähe ein Fenster geschlossen wurde“. Indem du zwischen Beobachtung und Bewertung unterscheidest, schaffst du einen innerlichen Abstand zwischen dir und der Situation.

2. Finde zurück zu deinem Gefühl

Ein echter Wolfspelz gibt dir die Möglichkeit, dich abzugrenzen und gleichzeitig empathisch zu sein. In Momenten, in denen wir uns ein dickes Fell wünschen, geht es aber erst einmal nicht um Empathie – also Einfühlungsvermögen – für andere, an der Situation beteiligte Menschen oder Tiere, sondern um Abgrenzung. Denn gerade im Stress, wenn das Gehirn übernimmt und wir funktionieren wie Maschinen, verlieren wir uns in Spekulationen über andere. Nimm dir also einen Moment Zeit und fühl mal in dich hinein. Wie fühlst du dich gerade? Fühlst du dich ärgerlich, wütend, traurig, müde, ängstlich, …? Bist du enttäuscht, besorgt, stehst du unter Druck, spürst du einen Widerwillen?
In dem Beispiel mit der Katzenbegegnung hieße das, die Müdigkeit, Anstrengung oder den Frust in der Situation wirklich zu spüren. Um zurück zu deinem Gefühl zu finden, muss es dir nicht egal sein, was andere fühlen. Hier geht es lediglich um die Reihenfolge. Wende dich zuerst dir zu.

3. Schenk dir Verständnis

Wenn dir etwas nahegeht, liegt das an deinen Erwartungen und Bedürfnissen an die betreffende Situation. Andere Menschen und Situationen oder auch nur ein Geräusch, wie z. B. das Schließen eines Fensters, sind lediglich der Auslöser für unsere Gefühle. Wie wir das, was andere sagen oder tun, aufnehmen, liegt an uns. Eine Erwartung oder ein Bedürfnis kann z. B. sein, dass du respektiert werden möchtest oder du gerade Rücksichtnahme brauchst, dass du Wertschätzung suchst oder ruhebedürftig bist. Alle deine Bedürfnisse haben ihre Berechtigung. Indem du dein Bedürfnis benennst, ergibt deine Emotion einen Sinn. Du bist ihr nicht mehr hilflos ausgeliefert und kannst dich bzw. deine Reaktion besser verstehen. Du kannst sicher die Bedürfnisse anderer Menschen gut erfassen, also kannst du dir auch Verständnis schenken. Kennst du den Auslöser für deine Gefühle? Was hättest du in der Situation gebraucht? (Bedürfnisse sind Ruhe, Sicherheit, Klarheit, Autonomie, Anerkennung, usw.)

4. Handle nach deinen Bedürfnissen

Menschen mit einem dicken Fell bewundern wir häufig deshalb, da es ihnen nicht nur „egal“ ist, was andere über sie denken oder sagen, sie wissen auch genau, was sie brauchen und können danach handeln. In unserem Beispiel würde das heißen, dass der Fellträger Abstand zwischen sich und die Situation schafft, indem er die Bewertung von der Beobachtung trennt (das Schließen des Fensters registriert, aber nicht interpretiert), seinen Ärger wahrnimmt, sich Verständnis dafür schenkt, weil er merkt, dass ihm Schlaf fehlt und schließlich auch danach handelt und die Abkürzung nach Hause nimmt. Es geht also darum, deine Beobachtung (1), deine Gefühle (2) und Bedürfnisse (3) in die Tat (4) umzusetzen, indem du selbst danach handelst oder jemanden darum bittest. Was könntest du in der Situation konkret für dich tun oder worum könntest du jemanden bitten? Formuliere es positiv!

Wenn du diese vier Tipps beachtest, wächst dir nach und nach ein dickeres Fell, das dich schützt und gleichzeitig empfindsam ist: ein echter Wolfspelz eben.

Möchtest du noch mehr darüber erfahren, wie du mutig und klar deinen Weg gehen kannst?

 

Anna Meißner ist Strukturgeberin für Persönlichkeit und Entwicklung. Sie hilft dir, genau der richtige Mensch für deinen Hund zu sein - nämlich du selbst.

4 Comments

  1. Danke liebe Anna, für diese wunderbare Erklärung. Ich hab dieses Jahr einen großen Schritt in diese Richtung gemacht – ich habe gelernt, mich abzugrenzen und vorallem nicht zu interpretieren und ich bin auch nix und niemandem eine Rechenschaft schuldig.

    • Liebe Sandra,

      danke dir, dass du dein Erfolgserlebnis hier teilst. Ich gratuliere dir zu diesem Schritt! Es ist wirklich befreiend, wenn man lernt sich abzugrenzen.

      Auf dass es immer leichter wird,

      alles Liebe Anna

  2. Vielen Dank liebe Anna, deinen Beitrag hast du wunderbar erklärt, es ist nicht immer einfach bei vielen Situationen die einem im täglichen Leben begegnen gelassen zu reagieren, ich habe gelernt achtsam mit mir und meinem Hund zu sein und das hilft mir Emotionen zu filtern, innere Ruhe zu finden und gelassen unseren gemeinsamen Lebens-Weg gehen.

    • Liebe Brigitte,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Aus der Ferne konnte ich diesen Weg, den du beschreibst auch ein wenig verfolgen ;). Es ist so schön, wie ihr beide zusammen gewachsen seid.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.