Mit diesen 5 Übungen holst du das Beste aus der gemeinsamen Zeit mit deinem Hund heraus

Kürzlich bin ich im Wald einer Reiterin begegnet, die ihr Pferd immer weiter angetrieben hat. Dabei saß sie schief und mit einem verkrampften Gesicht im Sattel. Es war Samstag und am Wochenende treffe ich häufig Reiter, die ihre Pferde bewegen möchten, weil sie endlich etwas mehr Zeit haben als in der Woche. Genauso wie ich vermehrt Menschen mit ihren Hunden sehe, die joggen, Rad fahren oder ihrem Hund eine besonders lange Runde gönnen. Wenn am Ende Pferd oder Hund schwitzen und müde sind, denken sich viele, jetzt sind sie auf ihre Kosten gekommen.

Hast du auch manchmal ein schlechtes Gewissen, dass du deinem Tier nicht gerecht wirst und gibst ihm dann die Sporen? Möchtest du deinen Hund richtig auslasten, hast aber selbst oft mehr das Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung und weißt nicht, wie du eure unterschiedlichen Bedürfnisse zusammenbringen kannst? In diesem Artikel stelle ich dir fünf Übungen vor, die dir helfen, den Druck rauszunehmen, bei dir anzukommen und eine echte Verbindung zu deinem Tier aufzunehmen, so dass du für euch beide das Beste aus der gemeinsamen Zeit herausholen kannst.

1. Gedanken und Sorgen hinter dir lassen

Wenn wir mit unserem Tier starten, dann ist unser Kopf häufig noch voll mit allen möglichen Gedanken. Wir haben uns schon so an ihr permanentes Rauschen gewöhnt, dass es uns gar nicht mehr bewusst ist. Das Abschalten fällt uns entsprechend schwer, selbst wenn wir das tun, was wir gerne tun und mit unserem geliebten Tier in der Natur spazieren gehen. Um deinen Kopf für einen Moment frei zu machen, kannst du dir ein Blatt vom Boden nehmen oder es von einem Baum pflücken. Such dir ein passendes aus. Gibt es auf deinem Weg einen Bach oder Fluss, dann kannst du es dort hineinwerfen. Sieh ihm nach wie es langsam durch die Luft schwebt, auf dem Wasser ankommt und das Wasser es davonträgt. Stell dir dabei vor, wie auch deine Gedanken oder Sorgen wegtreiben und der Druck des Gedankenstroms etwas nachlässt. Gibt es kein Gewässer in der Nähe dann kannst du das Blatt auch an eine bestimmte Stelle legen, z. B. auf einen Baumstumpf oder auf einen Stein. Damit legst du auch deine Gedanken oder Sorgen hier ab. Mit jedem Schritt, den du dann tust, entfernst du dich davon.

2. Alle Sinne schulen

Unsere Tiere nutzen alle ihre Sinne, wenn sie mit uns zusammen sind. Sie sind Gefühlswesen. Wir Menschen hingegen sind eher das Gegenteil, nämlich Kopfwesen. Um eine Verbindung zu deinem Tier herzustellen, ist es wichtig, aus dem Kopf und ins Gefühl zu kommen. Unser Gefühl, das sind in erster Linie unsere fünf Sinne. Schalte nun einmal alle deine Sinne an und konzentriere dich jeweils nacheinander ein paar Sekunden auf eine dieser Sinneswahrnehmung.

1. Was siehst du?
2. Was hörst du?
3. Was riechst du?
4. Was schmeckst du?
5. Was (er)tastest du?

Es gibt so viel, was uns entgeht, wenn wir „nur“ denken. Du kannst Vogelstimmen hören, einen Specht, der sein Haus baut – Tock, tock, tock. Eine Maus, die am Wegrand im Laub raschelt, das Summen und Brummen von Bienen und anderen Insekten im Feld. Dann ist da auch der Lärm der Zivilisation: fahrende Autos, Traktoren, die die Ernte einfahren, Baustellenlärm. Vielleicht hörst du auch Menschen, die sich unterhalten. Du kannst unterschiedliche Farben und Formen wahrnehmen, siehst wie sich lebendige Dinge bewegen – auch wenn die Bewegung nur ganz klein ist – und du siehst starre Gegenstände. Du riechst feuchte, modrige, erdige, stechende, liebliche, eklige, leckere Gerüche. Manche sind so intensiv, dass wir sie sogar auf der Zunge schmecken können. Vielleicht schmeckst du aber auch noch ein bisschen Kaffeegeschmack vom Frühstück oder dein Bonbon. In deiner Tasche ertastest du noch ein paar Krümel Hundefutter, deinen Lippenbalsam oder einen Kotbeutel. Wenn du die Hände aus den Taschen nimmst, kannst du deinen Hund streicheln, das weiche Fell zwischen den Fingern spüren. Das sind nur ein paar von unzähligen Möglichkeiten deine Sinne zu benutzen.

3. Den Atem beobachten

Der Atem ist essentiell für uns und seine Frequenz und Tiefe verrät uns unser Stresslevel. Wenn wir unseren Atem beobachten, können wir erfahren, wie es uns wirklich geht und allein durch die Beobachtung normalisiert sich die Atmung automatisch. Du kannst den Effekt mit einer kleinen Übung noch verstärken, indem du ein oder zwei Minuten durch die Nase ein und mit einem leisen Geräusch sanft über die Lippen ausatmest. Mit jedem Ausatmen kannst du etwas Anspannung abbauen. Du wirst vielleicht merken, wie sich die Luft in der Nase nach ein paar Atemzügen kühler anfühlt. Manchmal werden auch die Füße warm, weil sich die Durchblutung verbessert. Bitte sei vorsichtig, wenn du mit deinem Atem arbeitest. Hör sofort auf, wenn dir schwindelig oder schlecht wird.

4. Bodycheck in Bewegung

Wirklich toll wie viele Körperteile zusammenspielen, damit wir aufrecht gehen können, ohne dass wir einen einzigen bewussten Gedanken daran verschwenden müssen. Wenn wir uns dennoch mit unserem Körper beschäftigen und die Wahrnehmung dorthin lenken, bekommen wir die Informationen, die unsere Tiere von uns bekommen, denn sie nehmen uns auf dieser Ebene wahr. Lange vor uns bemerken sie den schiefen Sitz, das verkrampfte Gesicht, die hochgezogenen Schultern oder die zur Faust geballte Hand. Mit dem Bodycheck hast du die Möglichkeit, diese Perspektive nachzuvollziehen und kannst bewusst die Schultern lockerlassen, dein Gesicht entspannen und die Hände lockerlassen. Bodycheck kann man grob mit Körper-Testung übersetzen. Du lässt dabei deine Aufmerksamkeit einmal durch deinen ganzen Körper wandern und wie bei einem Test setzt du gedanklich ein Häkchen, wenn du das jeweilige Körperteil tatsächlich spürst. Das kannst du im Liegen, Sitzen, Stehen machen oder auch in Bewegung bzw. wenn du bewegt wirst, z. B. auf dem Pferd.

Hier dein Spickzettel für den Bodycheck:

  • Links: Zehen, Fußsohlen, Ferse, Fußgelenk, Unterschenkel, Knie, Oberschenkel
  • Rechts: Zehen, Fußsohlen, Ferse, Fußgelenk, Unterschenkel, Knie, Oberschenkel
  • Hüfte, Hinterteil, Bauch, Rücken unten, Mitte, oben, Brust
  • Links: Schulter, Oberarme, Unterarme, Handgelenk, Handrücken, Handfläche, Finger
  • Rechts: Schulter, Oberarme, Unterarme, Handgelenk, Handrücken, Handfläche, Finger
  • Nacken, Kopf, Gesicht

Zum Abschluss des Bodychecks darfst du bitte einmal lächeln und dabei die Veränderung in deinem Gesicht bzw. in deinem ganzen Körper wahrnehmen. Du kannst dich wirklich glücklich schätzen, dass du diesen tollen Körper hast.

5. Verbindung zum Hund aufbauen

Mit den vier vorangegangenen Übungen hast du dich Stück für Stück der Wahrnehmungsweise deines Tieres angenähert. Du bist vom Denken ins Fühlen gekommen. Nachdem du den Druck rausgenommen hast und bei dir angekommen bist, kannst du jetzt auch anfangen, dein Tier bewusst in die Arbeit miteinzubeziehen. Lass deine Aufmerksamkeit immer wieder zwischen deinem Hund und dir hin- und herwandern. Das tut dein Tier ebenfalls. Siehst du, was dein Tier sieht, wann und wie es dich wahrnimmt? Bemerkst du, was dein Tier dir mitteilen möchte? Was vermittelst du ihm über deinen Körper und dein Gefühl? Du möchtest auf dein Tier eingehen können und aus der gemeinsamen Zeit das Bestmögliche herausholen. Wenn du diese Verbindung zu ihm spürst, erkennst du schließlich, was das Beste hier und heute für euch beide ist. Dann seid ihr gemeinsam unterwegs.

Noch mehr Übungen dieser Art gibt es beim Workshop Auf leisen Pfoten. Bei dieser entspannenden Auszeit mit deinem Hund kannst du deine Aufmerksamkeit schulen. Ich zeige dir, wie du mit einfachen Wahrnehmungsübungen ganz im Moment ankommen und eine echte Verbindung mit deinem Hund aufnehmen kannst. Je mehr du lernst, achtsam mit dir und deinem Hund umzugehen, umso besser gelingt es dir auch, in stressigen Situationen dein inneres Gleichgewicht wieder zu finden und euch beiden gerecht zu werden. Alle Infos zum Workshop findest du hier.

Zu weit weg? Per Skype/Telefon können wir ein individuelles Programm für dich erarbeiten. Bei Interesse schreib mir einfach eine E-Mail an office@strukturgeberin.de.

 

Welche Übungen helfen dir, ganz im Moment anzukommen und eine echte Verbindung zu deinem Tier zu spüren? Ich freue mich über deinen Kommentar.

 

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Anna Meißner ist Strukturgeberin für Persönlichkeit und Entwicklung. Sie hilft dir, genau der richtige Mensch für deinen Hund zu sein - nämlich du selbst.

2 Comments

  1. hallo Anna, ich finde das ist ein ganz wertvoller Artikel – zumal man diese 5 Schritte am liebsten natürlich mit Hund machen kann, aber auch mal ohne! zb zwischendurch bei der Arbeit 😀
    und wenn es nicht gleich klappt auch nicht schlimm, es wird einfacher je öfter man es macht!
    und damit ich nicht klinge wie ein Streber 😉 obwohl ich weiß wie gut es tut mache ich es viel zu selten!
    Danke dass du mich daran erinnert hast!
    herzliche Grüße Sabine

    • Liebe Sabine, vielen Dank für deinen Kommentar. Es ist wie du schon schreibst, so einfach und doch so schwer. Dafür braucht es wirklich immer wieder eine Erinnerung – das kenn ich auch nur zu gut 😉

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