Mein Hund ist nicht nur mein Hund

Wirst du beim Thema Hund manchmal auch so emotional? Emotionaler als bei anderen Themen in deinem Leben. Hast du direkt einen Kloß im Hals und spürst die Traurigkeit in allen Fasern deines Körpers, sobald du nur daran denkst, dass du dein geliebtes Tier verlassen müsstest oder verlieren könntest?

Es ist anders als wenn wir an unseren Partner/Partnerin, Eltern oder Verwandte denken. Heißt das im Umkehrschluss etwa, uns sind andere Dinge in unserem Leben nicht so wichtig wie der Hund?

Es ist doch nur ein Hund – oder nicht?

Doch das tiefe Gefühl ist da, es ist direkter und zugänglicher. Und es ist nicht von der Hand zu weisen: Dein Hund bringt dich dazu, es zu spüren.

Hunde können für ein wichtiges Thema im Leben ihres Menschen stehen. Die emotionale Empfindlichkeit hat dann weniger mit ihrem Vierbeiner, sondern vielmehr etwas mit dir selbst zu tun. Dein Hund kann für dich z. B. einen hohen Wert oder ein tiefes Bedürfnis verkörpern.

Hunde können für ein wichtiges Thema ihres Menschen stehen.

Ich kenne da einen, der steht für das Bedürfnis nach Ruhe und Enstpannung. Er beschützt seinen Menschen vor nervigen Mitmenschen, indem er eine heftige Leinenaggression entwickelt hat. Sein Mensch darf nun jeden Tag ein paar Kilometer fahren, um den Spaziergang alleine so richtig zu genießen. Ein anderer trifft für seinen Menschen eine Entscheidung, die dieser noch nicht treffen kann. Er verhindert durch seine Unpässlichkeit, dass sein Mensch zur Wettkampfvorbereitung gehen kann. Insgeheim hat sein Mensch keine Freude mehr am Training und ist froh, dass er so aus der Nummer rauskommt. Wieder ein anderer erfüllt seinem Menschen das Bedürfnis nach Unabhängigkeit und Freiraum. Er schafft ihm durch sein unerwünschtes Verhalten einen Grund, die Samstagnachmittage ohne seine Familie und vor allem ohne schlechtes Gewissen auf dem Hundeplatz zu verbringen.

Hey, das sind wichtige Jobs!

Die kann Hund nicht einfach an den Nagel hängen 😉

Das geht so weit, dass ein Hund, den ich persönlich sehr gut kenne, seinem Menschen mit seinen Verhaltenskuriositäten dazu gebracht hat, eine Alpenüberquerung zu machen. (Ich musste das ja schließlich für ihn tun…)

Cosmo hatte einen knallharten Vollzeit-Job und er machte ihn wirklich gut. Bis ich verstanden hatte, worum es geht. Das ist auch der Grund, warum mir der Gedanke an seinen Verlust sofort Tränen in die Augen treibt. Denn was sollte ich ohne diesen verlässlichen Partner tun?

Dort oben in den Bergen habe ich etwas verstanden: Ich brauche meinen Hund nicht, um mutig und klar meinen Weg zu gehen. Er soll mein Begleiter sein und mir helfen, mir selbst auf die Spur zu kommen. Die nötigen Schritte muss und kann ich selber tun.

Du brauchst deinen Hund nicht,

  • um für dich einzustehen, z. B. auch mal ohne deine Familie und ohne schlechtes Gewissen Spaß zu haben.
  • um Entscheidungen zu treffen und dich von Terminen, Dingen oder Personen zu trennen, die dir nicht (mehr) gut tun.
  • um feinfühlig und klar Grenzen zu setzen, z. B. um in Ruhe spazieren zu gehen.
  • du brauchst deinen Hund nicht, um dein Leben zu leben.

 

Aber du brauchst deinen Hund

  • als Unterstützer, der dich fordert, persönlich zu wachsen.
  • als Impulsgeber, um das, was dir wichtig ist, zu spüren.
  • als Motivation und Antrieb, selbstbewusst für dich (und für ihn) einzustehen.
  • als Freund, der dir zeigt, dass du liebenswert bist, genauso wie du bist – bis du es endlich selber glauben kannst.

 

Den Vollzeit-Job habe ich Cosmo deshalb bereits in eine Teilzeit-Stelle umgewandelt und ich bin dabei, ihn mehr und mehr zu entlasten. Wenn ich das jemals vollends schaffen sollte, dann wäre er wirklich nur ein Hund 😉

Wenn du dir selbst auf die Spur kommen möchtest und die schwierigen Situationen mit Hund einmal aus einer neuen Perspektive betrachten willst, dann kannst du dich fragen: Welchen Job übernimmt dein Hund für dich? Kannst du ihm schon etwas abnehmen?

 

Schreib mir doch, was dein Hund für dich ist.

Ich freue mich über deinen Kommentar!

Bis bald und immer dran denken: Geh mutig und klar deinen Weg!

 

Anna Meißner

Anna Meißner ist Strukturgeberin für Persönlichkeit & Entwicklung. Sie hilft Menschen, sich selbst auf die Spur zu kommen, um mutig und klar ihren Weg zu gehen.

11 Comments

  1. Liebe Anna, wow, was für ein wunderbarer und wertvoller Artikel! Danke! Ich stelle immer wieder fest, dass Du Dir ein unglaublich tolles Themenfeld ausgesucht hast und mit ganz viel Feingefühl darüber schreibst! Weiter so! 🙂 Liebe Grüße, Christina

  2. Liebe Anna, vollkommen richtig, was du schreibst. Und doch oft soooo schwierig zu erkennen, wenn man selber drinnen steckt. Außenstehende können oft viel schneller sehen, wer da was für wen trägt. Danke und liebe Grüße aus Salzburg, Karin

    • Liebe Karin,

      das stimmt natürlich, dass wir unsere blinden Flecken haben. Ich glaube aber nicht, dass man von außen leichter erkennen kann, worum es geht. Dann wäre es zu einfach 😉 Bei den Beispielen, die ich genannt habe, könnte es auch um andere Themen gehen. Am Ende bist du die Expertin für deine Themen.

      Vielen Dank für diese Anregung und deinen Kommentar!

  3. Ich brauchte Socke, um zu erkennen, dass Arbeit nicht das ganze Leben ist, nicht mein Leben sein kann. Ich kann nun meine Freizeit genießen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

    Ihre Erkrankung lehrte mich dankbar zu sein und zwang mich, mich zu entscheiden, ob ich Socke zu Tierärzten begleite oder Socke lieber mit dem Socke-nHalter an die Hand gebe. Ich hatte als Kind einen schweren Unfall und Arzt- und Krankenhausbesuche sind für mich ein großes Problem.
    Socke lehrte mich etwas ruhiger zu werden.

    Das ist nicht ihr Job, weil ich sie mir nicht aus diesem Grunde angeschafft habe. Ich habe einfach auf unserem gemeinsamen Weg gelernt und habe mich verändert.

    Angeschafft habe ich Socke u.a., weil ich so gerne laufe und einen Trainingspartner suchte. Seitdem Socke da ist, habe ich nicht einen Tag mehr trainiert, weil Socke daran keine Freude hat. Ich glaube. Das das alles sagt, oder?

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

    • Hey Sabine,

      ganz lieben Dank für deinen Kommentar und so schön zu lesen, wie du dich mit Hund auf den Weg gemacht hast. Zu deinem Plan: dir einen Hund als Trainingspartner anzuschaffen – das Leben hat Humor, gell 😉

      Alles Liebe für euch beide!

  4. Was für ein wunderbarer Artikel. Mein Hund ist nicht einfach nur mein Hund, er ist mein Begleiter durch dieses Leben, wenn auch leider nur zeitlich begrenzt…….Mein Hund heißt Smart und er lebt jetzt ziemlich genau schon 10 Jahre mit uns zusammen. Wir haben ihn aufgenommen, da war er 1,5. Und er ist einfach wunderbar. Durch ihn habe ich viel gelernt. Alleine schon den Smalltalk mit den Mitmenschen, denen man so begegnet. Ich habe mittlerweile keine Hemmungen mehr wildfremde Menschen anzusprechen, um mit ihnen über ihren oder meinen Hund kurz zu plaudern. Das schafft soviel Nähe und man kennt sehr viele Leute im Ort :). Ich habe gelernt genauer hinzuschauen, um herauszufinden, wie es Smart geht, was er kann und was er nicht mehr so kann. Er ist ja nun nicht mehr der jüngste…. und er zeigt mir, wie es ist, wenn man älter wird. Ich finde es immer noch erstaunlich, wie ich meinen Hund verstehe, owohl wir ja nicht die gleiche Sprache sprechen, wie ich erkenne, was er möchte. Und je älter er wird, um so mehr darf er. Er hat es endlich auf die Couch geschafft, auch wenn er da nur noch mit unserer Hilfe drauf kommt 🙂 :). Mein Hund ist einfach wunderbar und eine Bereicherung für mein Leben und das meiner Familie. Ich hoffe, er darf mich noch ein paar schöne Jahre begleiten. viele Grüße Ursula

    • Liebe Ursula,

      vielen Dank für deine persönlichen Zeilen. Das gegenseitige Verstehen zwischen Tier und Mensch ist etwas sehr Besonderes und es macht sehr viel Freude, wenn es funktioniert. Ich wünsche dir von Herzen, dass Smart dich noch lange begleitet!

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