Liebe deinen Hund wie dich selbst!

Müde Hundeaugen blicken dich an. Dein Hund hat den ganzen Nachmittag in seinem Körbchen verbracht und dir beim Arbeiten über die Schulter geschaut. Leider war es mal wieder so, dass du den Absprung nicht geschafft hast, dass es wieder Wichtigeres gab und du von einer wichtigen Sache zur nächsten gewetzt bist. Jetzt wird es schon dunkel und du bist ziemlich erledigt. Vielleicht kommst du auch erst von einem langen Geschäftstermin oder aus der Schule/Uni zurück und fragst dich gerade verzweifelt, wie du deinem Hund noch gerecht werden kannst. Ohja, es gibt solche Tage, an denen das schlechte Gewissen freie Bahn hat und nachdem alle notwendigen Dinge getan sind, heftig zuschlägt. Diese Gedanken fühlen sich an wie ein Stich ins Herz oder ein Tritt in den Bauch:

Du tust zu wenig für deinen Hund, du schenkst ihm zu wenig Aufmerksamkeit und du hast ihm heute zu wenig Zeit gewidmet!

Es gibt auch keine Ausrede. Nein, darum geht es nicht. Du hast dich deinem Hund verpflichtet und dessen bist du dir bewusst. Du ermöglichst deinem Hund ein angenehmes Leben und doch kommt es zeitweise zu solchen Engpässen. Es hängt schließlich an dir. Keiner weiß so gut wie du, was dein Hund braucht. Gleichzeitig belasten dich das schlechte Gewissen und diese Sorge, wie du deinem Hund in stressigen Zeiten gerecht werden kannst.

Bevor du dich fragst, wie du deinem Hund gerecht werden kannst, frage dich, ob du dir selber gerade gerecht wirst.

So und jetzt komme ich auch noch und schreibe hier in die Überschrift: „Liebe deinen Hund wie dich selbst!“ Das trifft doch genau diesen wunden Punkt.

Stopp! Ich will dir erklären, warum mir diese alte Weisheit in diesem Zusammenhang wieder eingefallen ist (also leicht abgewandelt, wie du sicher bemerkt hast 😉 ).

Diese Regel – die man übrigens in vielen Religionen so oder so ähnlich wiederfindet – hat für alle Beziehungen Gültigkeit, warum nicht auch für die Beziehung zu unserem Seelentier?

Drei Interpretationen möchte ich dir für die aktuelle Situation mit dem schlechten Gewissen anbieten:

  1. Achte auf dich, genauso wie du auf deinen Hund achtest.
  2. Tu deinem Hund nichts an, was du für dich selbst nicht willst.
  3. Tu dir im selben Maße etwas Gutes, wie du deinem Hund etwas Gutes tust.

Dein schlechtes Gewissen ist nicht dein Feind. Es will dich nicht bestrafen. Vielmehr kann es dir aufzeigen, was dein Bedürfnis ist oder gewesen wäre. Wenn du ihm aufmerksam zuhörst, bringt es dich sogar auf Ideen, die dir (und deinem Hund) gut tun würden.

Wenn ich zu viel am Computer gearbeitet habe und die Uhr (und meinen Hund) vergessen habe, dann zeigt mir mein schlechtes Gewissen, dass ich auf mich achtgeben sollte und mir einen Wecker stellen könnte, der mich daran erinnert, wie wichtig mir meine gemeinsamen Pausen mit Cosmo an der frischen Luft sind.

Es kann mir aber auch signalisieren, dass ich ein Bedürfnis nach Unterstützung habe, es alleine gerade nicht schaffe. Gerade wenn ich auswärts zu tun habe und von früh bis spät nicht zu Hause sein kann, es absehbar ist, dass ich mich nicht kümmern kann. Dann kann ich eine wichtige Sache tun: Ich organisiere für mich diese Unterstützung (jemanden, der sich an meiner statt kümmern wird und auf den ich mich verlassen kann). Das ist schon ganz viel.

Das schlechte Gewissen gegenüber deinem Hund kann dir deine Bedürfnisse spiegeln und aufzeigen, wenn du über deine Grenzen gegangen bist. Doch wenn das schlechte Gewissen zuschlägt, ist es oft zu spät, manchmal auch zu dunkel und ganz oft bist du mit deiner Kraft dann eh schon am Ende. Da fängst du am besten nicht noch mit einem Hunde-Leistungssport an 😉 Liebe deinen Hund wie dich selbst heißt dann auch, es ist okay, wenn du die verbleibende Zeit so gestaltest, dass du dadurch nicht zusätzlich unter Stress kommst und aus dem, was dir Freude macht, eine Pflichtveranstaltung wird. Jetzt geht es um Qualität und nicht um Quantität; um das „Wie verbringt ihr die Zeit“ nicht um das „Wie viel Zeit verbringt ihr“.

Vielleicht wird der Spaziergang im Dunkeln ein bisschen kürzer ausfallen, dafür gibt es im Anschluss eine Massage für deinen Schatz. Ich bin mir sicher, dass dir etwas Schönes einfällt.

Wir denken oft, dass wir nur auf eine bestimmte Art unseren Hunden gerecht werden können. Ja, es gibt sicher Grundbedürfnisse, die bedient werden müssen, aber darüber hinaus gibt es noch viele Möglichkeiten wie du die Beziehung gestalten kannst, ohne dass du dich an einem arbeitsreichen Tag noch überfordern musst. Wie schön wäre es, wenn dir dein Hund eine Stütze sein kann und du dich in stressigen Momenten erinnerst, wie gut dir die gemeinsame Zeit tut.

Hör mal in dich hinein, was dein schlechtes Gewissen dir sagen möchte und wenn du magst, dann schreibe mir, welche kreativen Wege du gefunden hast, um dir genauso gerecht zu werden wie deinem Hund.

Du bist für deinen Hund der wichtigste Mensch, daher würde er mir sicher zustimmen, wenn ich zum Schluss sage: Pass gut auf dich auf!

Bis bald und immer dran denken: Geh mutig und klar deinen Weg!

Unterschrift

 

Anna Meißner ist Strukturgeberin für Persönlichkeit und Entwicklung. Sie hilft dir, genau der richtige Mensch für deinen Hund zu sein.

5 Comments

  1. Hallo liebe Anna,
    da hast du was auf den Punkt gebracht 😀 … Dankeschön, fühle mich gleich besser. Ich bin ja so froh, wenn die Tage wieder länger sind, dann ist man nicht so unter Zugzwang, dass es bald dunkel wird …

    Dankeschön für einen aufmunternden Artikel
    Liebe Grüße
    Anke

    • Hallo Anke,lieben Dank für deinen Kommentar! Und wenn man gerade an einem Artikel sitzt – wie du und ich – dann wirds schnell mal dunkel, gell 😉 Nicht mehr lange und wir können wieder lange Runden in der Abendsonne drehen. Bis bald!

  2. Gerade heute war mal wieder so ein Tag… Kopfweh, Stress und irgendwie kein besonders guter Start in die neue Woche. Leider habe ich wirklich meine kleine Seelenpartnerin an der Leine und so haben wir unsere schlechten Tage immer gemeinsam… Also sind wir heute schlecht gelaunt im Regen durch die Dunkelheit gestapft, haben uns selbst bemitleidet und den Nachbarshund angepöbelt. 🙁
    Eigentlich hatten wir beide so gar keine Lust. Also wieder ab nach Hause. Und da liegen wir jetzt. Eingekuschelt auf dem Sofa, Tee in der Hand und Zweisamkeit mit meiner kleinen Maus. Die Welt ist wieder in Orndung. Warum nicht gleich? Vielleicht wäre ja dann das schlechte Gewissen noch da und vielleicht muss man im Regen gewesen sein, um das Sofa richtig genießen zu können. Ich weiß es nicht, aber recht hast du liebe Anna. Toller Bericht und immer wieder schön, dass es nicht nur mir so geht!
    In diesem Sinne eine schöne stressfreie, entspannte Woche 🙂

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