Leinenspiel

Läuft dein Hund an der Leine vor dir her, pendelt hier mal nach rechts und dort mal nach links, übersieht er dich und zieht dich schon mal durch die Gegend? Möchtest du, selbstbewusst deinen Weg gehen und deinem Hund Orientierung geben? Heute schreibe ich über Carla*, für die die Leinenführigkeit ihres Hundes lange Zeit ein rotes Tuch war und welches Thema ihr Hund Snoopy ihr damit spiegelt.

Carla erzählt mir im Coaching: „Mein Hund übersieht mich völlig, läuft an mir vorbei nach vorne. Ich werde oft einfach nur von ihm mitgezogen. Ich hasse das, weil ich mir wie ein Anhängsel vorkomme, das nicht gesehen oder gehört wird. Die gemeinsamen Spaziergänge sind wirklich frustrierend. Meine Schmerzen im Arm sind zu verkraften. Doch immer wieder den Frust, die Wut und das Gefühl von Hilflosigkeit zu spüren, das ist viel schlimmer.“

So wie Carla geht es vielen Menschen. Carla hat schon einige Methoden ausprobiert, um das Thema Leinenführigkeit mit Snoopy in den Griff zu bekommen. Doch immer wieder kommt sie an den gleichen Tiefpunkt. „Es liegt an mir“, denkt sie dann, „ich schaffe es nicht, ihm Orientierung zu geben.“

Was hat das Leineziehen mit Carla als Person zu tun?

Gemeinsam haben wir uns im Persönlichkeitscoaching auf die Suche gemacht und sind den Themen, die ihr Hund von ihr fordert, auf die Spur gekommen.

Für Carla bestand der wichtigste Schritt darin, Klarheit über ihr Ziel zu gewinnen. Darin steckte in diesem Fall auch das Thema, um das es eigentlich geht. Carlas Ziel lautet:

 

Ich möchte selbstbewusst und mit Freude meinen Weg gehen. Ich möchte Snoopy eine klare Orientierung geben.

 

Es geht ihr um Orientierung und eine klare Linie, die sie sich für sich selbst wünscht. Diese Themen kennt Carla auch aus anderen Situationen, in welchen sie sich leicht von anderen beeinflussen lässt. Kaum hat sie eine Entscheidung für sich getroffen und teilt diese vorsichtig ihrer Familie mit, wird sie in Frage gestellt. „Dabei ist es ganz egal, worum es geht: die Trennung von meinem Freund, berufliche Pläne oder sogar die Essensbestellung im Restaurant. Jedes Mal redet mir jemand rein!“ Meint sie aufgebracht. „Man könnte in der Zielformulierung statt Snoopy auch schreiben: Ich möchte mir eine klare Orientierung geben.“

„Kein Wunder, dass mich Snoopys Verhalten zur Weißglut bringt“, meint sie, „er spiegelt mir jeden Tag meinen wunden Punkt. Ich habe es aufgegeben, meine Wünsche zu äußern, da ich immer wieder die Erfahrung machen musste, dass mich sowieso keiner hört. Diese Haltung spürt mein Hund und übernimmt selbstverständlich die Führung. Dabei stößt Snoopy mich mit der Nase genau auf das, was mich am meisten schmerzt, nämlich dass ich nicht gesehen werde.“

Natürlich ist Carlas Erkenntnis nicht verallgemeinerbar. Leinenprobleme können bei unterschiedlichen Personen ganz vielfältige Themen spiegeln. Doch für sie steckt dahinter, dass sie sich nicht mehr traut, ihre eigenen Bedürnisse, Wünsche und Ideen zu äußern.

Erkenntnis ist etwas, was uns hilft, doch es braucht mehr, um tatsächlich einen Schritt weiter zu kommen.

Von der Problemtrance hin zum Lösungsfokus

Wenn alle Gedanken auf dein Problem gerichtet sind, dann befindest du dich wie in einer Trance, in der sogenannten Problemtrance. Du nimmst dann vor allem das wahr, was nicht gut läuft, was dich unzufrieden macht und was du unbedingt ändern willst. Dabei gab oder gibt es in deinem Leben Momente, in welchen du durchaus in der Lage bist, die für dich schwierige Situationen zu meistern. (DOCH! Ganz sicher – auch wenn es dir jetzt im Moment partout nichts einfällt 🙂 ) Um Kraft zu schöpfen und an die Verwirklichung unserer Ziele zu glauben, müssen wir spüren, dass wir es erreichen können. In dieses Gefühl kommst du, wenn du dich an solche Momente erinnern kannst.

Carla braucht auch etwas Zeit, um zu überlegen. Es ist schwer sich an einen Moment zu erinnern, an dem das Problem, das sie so quält, nicht da war. Doch schließlich fällt es ihr ein:

„Jedes Mal, wenn ich mit Snoopy zu meiner Freundin gehe. Sie wohnt bei mir im Dorf und ich besuche sie manchmal abends. Es sind etwa 10 min zu laufen. Snoopy ist dort willkommen und ich nehme ihn gerne mit. Auf dem Weg dorthin ist es leichter.“

Die Kraft der inneren Einstellung

In Ausnahmesituationen, in welchen es dir gelingt, die schwierige Situationen zu meistern, verfügst du über eine andere innere Einstellung. Mach dir bewusst, was du anders machst, wie du dich fühlst und mit welcher Einstellung du an die Sache herangehst. Selbst wenn du dir in der Ausnahmesituation Hilfe geholt hast, gehört das dazu. Wichtig ist, dass du es geschafft hast.

Carla zählt auf, wie sie es gemacht hat:

  • Ich habe ein Ziel vor Augen.
  • Ich freue mich.
  • Ich habe einen Grund, warum ich unterwegs bin.
  • Ich kenne den Weg.
  • Ich bin fokussiert.
  • Ich spüre eine Verbindung zu Snoopy.
  • Ich gebe das Tempo vor.

Sich diese Situation ins Gedächtnis zu rufen, war für Carla ein berührender Moment. Sie erkannte, dass es diese Ausnahmen wirklich gibt, in welchen sie Zugang zu ihrer Kraft hat und es durchaus schafft, ihre eigenen Entscheidungen durchzusetzen und ihrem Hund Orientierung zu geben.

Carla fielen bald noch mehr kurze Sequenzen mit und ohne Hund ein, in welchen sie selbstbewusst und mit Freude ihren Weg gegangen ist. Sie konnte es fühlen, wie es ist, wenn sie ihrem Ziel nahe ist. Merkst du den kraftvollen Sog, der von ihrem Ziel ausgeht? So ein Ziel wirkt wie ein Magnet. Carla hat die Anziehungskraft deutlich gespürt.

 

Es ist, als ob eine dicke Panzerkette, die um mein Herz lag, gesprengt würde. Auf einmal kann ich wieder frei atmen.

 

Jeder Mensch hat einen Stresspunkt, an welchem er den Zugang zu seiner Kraft verlieren kann. Die Gedanken kreisen dann nur noch um das Problem und alle Kraft wird davon ausgesaugt wie von einem schwarzen Loch. Carla hat in diesem ersten Schritt im Coaching die Problemtrance unterbrochen und wieder Kraft geschöpft.

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Denkst du Snoopy hat eine Veränderung an Carla bemerkt? Hast du eine Idee, wie die Geschichte von Carla weiter geht oder hast du bereits etwas Ähnliches mit deinem Vierbeiner erlebt?

Ich bin überzeugt, dass das, was dein Hund von dir fordert, dich persönlich weiter bringt und freue mich auf deinen Kommentar.

Bis bald und immer dran denken: Geh mutig und klar deinen Weg!

*Carla ist eine fiktive Persönlichkeit. Ähnlichkeiten mit realen Personen sind rein zufällig.

Anna Meißner ist Strukturgeberin für Persönlichkeit & Entwicklung. Sie hilft Menschen, sich selbst auf die Spur zu kommen, um mutig und klar ihren Weg zu gehen.

6 Comments

  1. Ähnlich erlebe ich es immer wieder mit Vibi. Sie zeigt mir meine Ängste, teilweise in überspitzter Form, wenn ich es in milder Form nicht erkenne. Wenn ich dann in mich hinein fühle und erkenne wo der Haken ist, ist der erste Schritt schon getan. Dann suche ich nach Lösungswegen und arbeite an mir. So, wie ich mich verändere, spiegelt Vibi dann auch meine Fortschritte in ein selbstbestimmteres Sein. Das ist für mich immer wieder das grösste Kompliment. Sie tut all das, was sie tut, aus Liebe zu mir und dafür bin ich ihr unendlich dankbar.

    • Hallo Monika,
      genau darum geht es: in liebevollen Beziehungen persönlich weiter zu kommen. Unser vierbeiniger Partner oder Partnerin 😉 meint es gut.
      „Der Hund spiegelt meine Fortschritte in ein selbstbestimmteres Sein“ was für eine wunderbarer Ausdruck dafür <3
      Danke dir!

  2. Hallo Anna,
    vielen Dank für diesen wertvollen Beitrag. Seitdem mir klar ist, dass meine Hündin sehr sensibel auf mich reagiert und meine Stimmungen spiegelt, gehen wir gemeinsam viel entspannter durchs Leben. Wenn jetzt mal etwas nicht so gut läuft, frage ich mich zuerst „Wie bin ich heute drauf? Welche Schwingungen sende ich aus?“. Dein Beitrag bestätigt mich darin, dass ich den richtigen Weg gehe.

    Liebe Grüße
    Carina

  3. Hallo Anna, auch ich kenne dieses von einer Seite des Weges zur andeten gezogen werden sehr gut ?. Da ich mit zweien unterwegs bin, werde ich nicht selten eingewickelt wie ein Päckchen. Aber tatsächlich nur auf Schnüffel-Schlendergängen, wenn ich mit dem Kopf woanders bin. Hab ich ein Ziel, dann sind wir meist ziemlich gesittet unterwegs. Aber auch da merke ich, wenn mein Kopf nicht im Moment, sondern schon „am Ziel“ ist ?. Danke für Deine schönen und inspirierenden Texte.

    • Liebe Susanne,
      herzlichen Dank für deinen Kommentar 🙂 Ja, wir dürfen immer wieder üben, mit dem Kopf im Moment auf unserem Stück Weg zu sein und gleichzeitig das Ziel im Blick. Wie gut, dass uns unsere lieben Vierbeiner immer wieder daran erinnern.

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