Leinenfreiheit für dich

„Lust noch in die Stadt zu gehen?“ Ich hänge schon im Halbschlaf auf dem Sofa und wundere mich über den Elan meiner Hundefreundin. Sie erklärt, sie habe ihren Hund diese Woche bei ihren Eltern untergebracht, da sie ausnahmsweise ganztags ins Büro müsse, wohin sie ihn nicht mitnehmen könne. Aha! Sie sagt, ihr falle jetzt erst auf, wie viel Energie es sie koste für ihren Süßen da zu sein. Dinge, die für andere Menschen selbstverständlich sind, wie z. B. abends noch mit Freunden ins Café oder die Cocktailbar, fallen dann schon mal unter den Tisch, weil man einfach viel zu müde dafür ist.

Die Zeit und Kraft, die wir unseren Hunden widmen, die müssen wir anderswo abzwacken. Dass sich unser Leben ändert und an die Bedürfnisse unseres vierbeinigen Gefährten anpasst, passiert automatisch, weil es uns wichtig ist, weil es was Schönes ist und weil wir uns auch der Verantwortung bewusst sind.

Heißt das, dass du nur noch MIT Hund und nie mehr OHNE sein darfst?

Beziehungen zu leben, sei es mit Menschen oder auch zu unserem Bezugstier Hund bedeutet nicht:

  • Alles aufzugeben, was einem selber wichtig ist.
  • Alles zu teilen und nichts mehr für sich zu haben.
  • Nicht mehr ohne einander sein zu können
  • und emotional voneinander abhängig zu sein.

 

Freiräume sind in jeder Beziehung wichtig – auch in der Beziehung zum Hund!

 

Damit ihr euch nicht irgendwann auf den Keks geht, braucht es Freiräume. Es ist wichtig, dass du dir deine Unabhängigkeit bewahrst und auch mal OHNE Hund sein kannst. Das heißt, z. B.

  • dass du die Dinge weiterhin tust, die Dir Spaß machen.
  • dass du dich unabhängig von deinem Hund wahrnehmen kannst.
  • dass du Bereiche in deinem Leben ganz für Dich hast.

Wie schaffst du dir Leinen-Freiheit?

Mir ist das anfangs wirklich nicht leicht gefallen, Zeit ohne meinen Partner mit der kalten Schnauze zu verbringen 😉 Immer wieder hatte ich ein schlechtes Gewissen oder habe mir vorgestellt, was er jetzt wohl macht. Mit dieser kleinen Übung kannst du lernen, das Grübeln zu lassen:

Visualisierung: Die innere Leine

Stell dir vor du gehst mit deinem Hund an der Leine spazieren, ihr geht euren Lieblingsweg entlang. An der gewohnten Stelle machst du ihn von der Leine ab. Das geschieht ganz ruhig. Er merkt es kaum, bleibt bei dir, schaut dich fragend an und du gibst ihn mit einem euch bekannten Signal frei. Jetzt ist Freizeit für deinen Hund. Die Leine ist los. Du siehst wie er schnüffelt, sich beschäftigt. Er fühlt sich sichtlich wohl. Du kannst deinen Arm entspannen, die Leine in die Tasche tun und atmest tief.

So wie in diesem inneren Bild kannst du auch deine innere Leine für eine Zeit loslassen und sie in eine Tasche tun. Das heißt nicht, dass eure Verbindung abreißt.

Dich immer mal wieder von der inneren Leine zu befreien hilft dir, dich emotional abzugrenzen kannst, die Kontrolle in schwierigen Momenten zu behalten und Konflikten mit deinem Hund selbstbewusst zu begegnen.

Einmal im Jahr gehe ich ohne Hund in Urlaub. 10 Tage ohne die Verpflichtung, ohne Gassi, nur ich – Anna ohne Hund. Ohja, es gibt die Anna – den Hundemensch ohne Hund 😉

Wenn ich länger arbeiten muss oder auch mal ein paar Tage am Stück geschäftlich weg bin, habe ich mittlerweile ein gutes Netzwerk von Menschen, denen ich meinen Schatz anvertrauen kann. Ich darf auch mal die innere Leine loslassen: ohne Hund sein, mich beruflich oder privat mit anderen Themen beschäftigen, meinen Fokus verlagern, um dann ausgeruht und mit neuer Energie für mein kleines Hundemonster da zu sein. Und soll ich dir was verraten? Ich freue mich schon immer wie blöd auf diesen Moment, wenn wir uns dann wieder sehen. Ich sehe Cosmo dann mit ganz anderen Augen und kann es umso mehr schätzen, was wir zusammen haben.

 

Du brauchst deinen Freiraum – auch als Hundemensch – um dich selbst zu spüren und Kraft zu tanken.

 

Um die innere Leine für eine längere Zeit als z. B. den Besuch im Café, loslassen zu können, ist es wichtig, dass du jemanden findest, dem du deinen Hund auch anvertrauen willst und kannst, bei dem du dir sicher bist, dass er in deinem Sinne betreut wird. Nächstes Mal liest du, wie du dir eine gute Betreuung für deinen Hund organisierst.

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Und jetzt interessiert mich natürlich:

Wie viel Leinenfreiheit brauchst du?

Bis bald, und immer dran denken: Geh mutig und klar deinen Weg!

Anna Meißner

Anna Meißner ist Strukturgeberin für Persönlichkeit & Entwicklung. Sie hilft Menschen, sich selbst auf die Spur zu kommen, um mutig und klar ihren Weg zu gehen.

6 Comments

    • Hallo Rosemarie,
      wie schön, dass du beim Lesen abschalten kannst. Und genau darum geht es: Die innere Leine loslassen zu können und die Aufmerksamkeit zu verlagern.
      Vielen Dank für deinen Kommentar <3

  1. Hallo liebe Anna,
    ja, du hast absolut recht! Loslassen ist so wichtig! Nur so findet man auch die Energie, dann wieder GANZ dazusein. Mal ausbrechen, nur für sich selber sorgen, das ist so wichtig. Vor allem dann, wenn man den größten Teil seiner Zeit damit verbringt, sich um andere (auch die Fellnase) zu kümmern.
    Dankeschön mal wieder für deine klugen Worte!
    Liebe Grüße
    Anke

    • Hallo Anke,
      das passiert uns Frauen leicht(er) mal 😉 habe schon in deinen neuen Blog geschnuppert … sehr schön. Als Frauen haben wir ein feines Gespür für die Bedürfnisse anderer – auch für die unserer tierischen Begleiter. Dabei dürfen wir lernen, uns selbst genauso wichtig zu nehmen und herausfinden, was wir brauchen. Freu mich von dir zu lesen!

  2. Liebe Anna,
    es ist richtig, daß man auch mal ohne Hund sein muss. Ich muss mich selbst immer mal wieder daran erinnern, denn ich neige zum Glucken, und das ist einerseits sehr schön, aber andererseits sehr, sehr energieraubend.
    Maßnahme 1:
    Meine Hunde haben gelernt auch mal alleine zu sein, ohne mich sonderlich zu vermissen. Ich glaube manchmal sogar sie freuen sich, denn dann gibt es meist ein Schweineohr und danach wird geschlafen bis Frauchen wieder kommt.
    Maßnahme 2:
    Sonntags geht mein Mann den großen Morgenspaziergang, und zwar ohne mich, denn ich habe dann hundefrei und chille 🙂

    LG Sabine

    • Liebe Sabine,
      das klingt sehr entspannt 🙂 , besonders dass du regelmäßig eine Zeit nur für dich hast.
      Ganz herzlichen Dank für deinen Kommentar!
      Bis bald

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