Kennst du den Cesar-Milan-Effekt?

Oh weija, jetzt spiele ich die CM-Karte. Ich hoffe, ich werde dafür nicht gelüncht. Aber keine Sorge, ich will hier nicht seine Trainingsmethoden diskutieren…

Vor einiger Zeit (schon gaaanz lange her) gab es so eine Phase, in der ich nach konzentriertem Konsum mehrerer CM-Sendungen im Anschluss mega motiviert war, mit meinem Hund zu arbeiten. Ich habe mich sogar in meine rote Zone gewagt – ein Bereich hier im Dorf, in welchem besonders viele Katzen unterwegs sind 😉 . Das Ganze hielt etwa für 500 m. Auf diesen Metern versuchte ich seine lässige Körperhaltung zu imitieren und mit einem genauso gelassenen „TSCH“ meinem Hund zu imponieren. Naja, du kannst dir sicher vorstellen, dass Cosmo nicht lange gebraucht hat, um hinter mein Theater zu kommen.

Kennst du diesen Cesar-Milan-Effekt? Dass du dir nach einer Sendung oder einem Film einer bekannten Trainerpersönlichkeit auf einmal Dinge zutraust oder dich motiviert fühlst? Doch leider funktioniert der CM-Effekt nur kurzfristig und nicht dauerhaft wie beim Hundeflüsterer himself.

Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei. Folgendes nehme ich daraus mit:

  • andere können dir ein Vorbild sein
  • sie können dich motivieren, etwas Neues zu versuchen
  • und dir Zuversicht geben, dass du es schaffen kannst

Cesars Way ist aber eben Cesars Way und nicht meiner. Du wirst deine Probleme nicht lösen, indem du versuchst, jemanden nachzuahmen. Es geht vielmehr darum, sich neugierig auf die Suche nach dem eigenen Weg zu machen. Dazu passt diese Aussage eines japanischen Dichters:

Folge nicht den Fußspuren der Meister: Suche, was sie gesucht haben.Spur im Schnee

 

 

 

[Diese Weisheit ist von Matsuo Bashō. Er sollte eigentlich ein Samurai werden und hat sich dann für die Kunst entschieden. Er wurde ein bekannter japanischer Dichter. Das nur am Rande…]

Cesar hat seinen Weg zu innerer Ruhe und Harmonie im Umgang mit Hunden gefunden. Darin liegt mehr oder weniger auch seine Meisterschaft. Wenn du nun Schritt für Schritt nur seinen Weg nachvollziehen willst, wird es nicht funktionieren oder jedenfalls nicht sehr lange 😉 Denn dein Hund fordert Authentizität. Er akzeptiert keinen Abklatsch von CM sondern will das Original und das bist DU!

Über das Wort Authentizität stolpert man ja derzeit häufig. Komplizierte Schreibweise und auch nicht so ganz flüssig bei der Aussprache, dafür ist die Bedeutung recht simpel. Der Begriff beschreibt, wenn dein Handeln nicht durch andere beeinflusst ist, sondern die Motivation dazu aus dir selbst heraus kommt – kurz: innen und außen zusammenpassen.

Methoden und Handwerkszeug für den Umgang mit Hunden sind wirklich wichtig, helfen jedoch wenig, wenn du vorgibst jemand anderer zu sein. Vielleicht funktioniert eine Methode gerade deswegen nicht, weil sich in dir innerlich alles dagegen sträubt oder du gar nicht so recht davon überzeugt bist. Wie kannst du das herausfinden?

Lerne dich kennen

Was sind deine Stärken und Schwächen? Weißt du, warum du etwas tust? Welche Gefühle und Motive dich leiten? Authentisch zu sein, bedeutet sich selbst gut zu kennen und sich bewusst zu erleben.

Sei ehrlich (zu dir selbst)

Ehrlichkeit meint hier, der Realität ins Auge blicken zu können und auch negatives Feedback zu akzeptieren.

Zeige Rückgrat

Wenn du authentisch sein willst, dann handle nach deinen Werten und Überzeugungen und trete dafür ein, auch wenn das negative Konsequenzen zur Folge haben könnte.

Steh zu dir

Kein Mensch ist perfekt und doch versuchen wir immer wieder ein perfektes Bild nach außen zu transportieren. Authentisch zu sein, heißt aufrichtig deine Fehler zugeben zu können und dich vor anderen nicht zu verstellen.

 

Dein Hund zeigt dir einen Weg zu mehr Authentizität, denn Hunde mögen echte Menschen, die sich nicht verstellen. Es lohnt sich nebenbei auch für dich, authentisch zu sein. Denn indem du dich kennen und (ein)schätzen lernst, verbesserst du nicht nur deine Beziehungsfähigkeit mit deinem vierbeinigen Partner sondern auch mit deinen Mitmenschen. Den Respekt, den du dir selbst entgegen bringst (und eben nicht in erster Linie Cesar 😉 ), den werden dir auch andere zollen. Das nenne ich mal einen positiven Nebeneffekt. Wenn du mit deinem Hund trainierst, bringt dich das persönlich weiter. Und das ist doch auch der Sinn einer Freundschaft …

Welches könnte dein Weg sein? Worin könnte dich dein Hund unterstützen, persönlich weiter zu kommen?

Bis bald und immer dran denken: Geh mutig und klar deinen Weg!

Unterschrift

 

 

Anna Meißner ist Strukturgeberin für Persönlichkeit & Entwicklung. Sie hilft Menschen, sich selbst auf die Spur zu kommen, um mutig und klar ihren Weg zu gehen.

3 Comments

  1. Hallo liebe Anna 🙂
    Ein toller Artikel.
    Ich hatte CM- Effekt auch schon und bei mir hat er auch nicht geklappt. Das wäre vermutlich auch zu einfach… und nicht so spannend 😉
    Liebe Grüße, ich freue mich auf weitere Berichte und motivierende Worte!
    Anna

    • Hallo Anna, vielen Dank für deinen Kommentar! Manchmal würde man sich schon gerne per TV-Sendung verändern können. Aber so ist es wirklich um einiges aufregender und echter 🙂

  2. Hi Anna,
    den CM-Effekt kenne ich zu gut. Er hat bei mir sogar eine ganze Weile angehalten. Aber wie du schon geschrieben hast, ist er nie von Dauer. Ich bin eben nicht CM, sondern ich. Das weiß Cabo auch. Aber genau deshalb ist er mir so wichtig, weil er mich lehrt, ich selbst zu sein. 🙂
    Liebe Grüße
    Silvana

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