Jeder bekommt den Hund, den er braucht – Oder nicht?!

So ein Käse! Diesen Satz habe ich schon tausendmal gehört und tausendmal hat er mich genervt, beschämt und klein gemacht. Wütend dachte ich dann: Dieser Satz ist echt das Allerletzte! Die Leute, die das sagen, haben einfach keine Ahnung und wollen mir nur meine Unfähigkeit vor Augen halten. Lasst mich mit eurer Rosa-Hundebrille einfach in Frieden.

KEINER braucht einen Hund, der

  • das ganze Haus zusammen bellt, wenn du nur mal eben zum Bäcker gehst.
  • vor dem sich der Besuch fürchtet, weil er an der Haustüre giftig knurrt.
  • der dich einfach am Waldrand stehen lässt und alleine jagen geht.
  • der kleine Kinder erschreckt, indem er sie hinterrücks anbellt.
  • der wie ein hungriger Staubsauger drinnen und draußen Abfälle und Unrat aufsammelt.
  • der sich genüsslich in Aas und Exkrementen wälzt.
  • der dir vor Panik die Sitze zerkratzt, wenn du ihn im Auto auf eine Spritztour mitnehmen möchtest.
  • der sich bei ein bisschen Stress gleich krank meldet, nach dem Tierarzt schreit und dein Konto durch horrende Arztrechnungen belastet.
  • der dich an der Leine durch die Gegend zieht.
  • der in Hundebegegnungen an der Leine explodiert.
  • der alle deine Befindlichkeiten direkt nach außen trägt.
  • der dich nur sieht und kommt, wenn du das entsprechende Futter dabei hast

Kannst du das verstehen? Kein Mensch braucht DAS. Niemand hat sich diese Probleme selbst ausgesucht. Niemand fühlt sich gerne verzweifelt, rat- und hilflos.

Der Satz „Jeder bekommt den Hund, den er braucht.“ ist dann echt hart zu nehmen, denn er wirft dich auf dich selbst zurück und konfrontiert dich mit der unangenehmen Frage: Was haben die Probleme, die dein Hund macht, mit dir zu tun? Zack, da sind sie: die dicken, fetten Schuldgefühle, klebrige und zähe Viecher,die dich unaufhaltam in ein tiefes schwarzes Loch ziehen.

Hast du es verbockt?

Hast du dir deine Probleme mit Hund selbst geschaffen? Vielleicht – vielleicht auch nicht. Niemand kann das mit absoluter Gewissheit sagen, was gewesen wäre, wenn du Dinge anders gemacht hättest, wenn manches anderes gelaufen wäre. Hätte, hätte Fahrradkette. Hör bloß auf, dir zu überlegen, was alles hätte sein können. Das führt zu nichts – nur dass sich die Kette unendlich weiter dreht und du weiter in der Endlosschleife feststeckst.

Was hat dein Hund mit dir zu tun?

Die Probleme, die dein Hund macht, haben mit dir zu tun. Es gibt tatsächlich eine Verbindung zu dir, zu deinem Selbst, deinen Gefühlen und Gedanken. Diese Verbindung heißt Schmerz. Irgendwas steckt darin, was dich an einer besonders empfindlichen Stelle packt. Vielleicht weckt dein Hund bei dir alte Erinnerungen oder schlimme Befürchtungen. Möglicherweise zeigt er dir auf, wie du von dir und der Welt denkst und wie du in schwierigen Situationen mit dir umgehst.

Deine Herausforderungen mit Hund als Chance?

Ein großer Schritt: Die Herausforderung mit Hund anzunehmen und deinen Hund als Chance für dich zu sehen. Doch er macht am Ende den Unterschied aus, ob du in diesem Satz „Jeder hat den Hund, den er braucht“ oder in der Steigerung „Jeder hat den Hund, den er verdient“ den Vorwurf oder den Ansporn hörst.

Am Ende meint dieser Satz doch etwas sehr Tröstliches: Du hast deinen Hund nicht ohne Grund. Die schwierigen Situationen sind nicht da, weil du ein schlechter Mensch bist, der unverzeihliche Fehler macht sondern weil du ein starker Mensch bist, der sich persönlich weiterentwickeln kann. Damit bietet dir dein Hund die fantastische Chance, persönlich zu wachsen.

Wenn du die Herausforderung annimmst und die Probleme, vor die dich dein Hund stellt, als Chance für dich sehen kannst, wenn du lernst, aus der Endlosschleife auszusteigen und dich in schwierigen Situationen selbst zu unterstützen, dann kannst du doch noch eines Tages aus voller Überzeugung sagen:

 

Ich habe genau den Hund bekommen, den ich brauche!

 

„Jeder bekommt den Hund, den er braucht.“ Was bedeutet für dich dieser Satz?

Siehst du deine Herausforderungen mit Hund als Chance für dich? Wobei hilft dir dein Hund?

Anna Meißner ist Strukturgeberin für Persönlichkeit & Entwicklung. Sie hilft Menschen, sich selbst auf die Spur zu kommen, um mutig und klar ihren Weg zu gehen.

8 Comments

  1. Liebe Anna,
    ich habe diesen Satz noch nie in den falschen Hals bekommen oder ihn als negativ empfunden. Er ist für mich vielmehr eine Motivation. Denn mein Hund fordert mich heraus, etwas zu ändern. Das bedeutet, dass ich an mir arbeiten muss. Und bisher hat mein Hund immer recht behalten. 😉

    Liebe Grüße
    Silvana

    • Vielen Dank, Silvana, für deine Sicht!
      Ich habe extra ein bisschen übertrieben 😉 aber es gehört schon Demut dazu, in schwierigen Situationen nicht den Kopf in den Sand zu stecken und etwas für sich raus zu ziehen. Ganz oft können uns unsere Hunde eine große Motivation sein, auch dran zu bleiben und uns selbst zu hinterfragen.

  2. Liebe Anna,
    oh ja, ich habe auch oft gezweifelt, ob ich meinen Hund hibbelig und nervös mache durch meine Art oder ob ich mir instinktiv mit dem Welpen den Typ rausgesucht habe, der mir ähnelt. Ich weiß es bis heute nicht sicher, aber Merlin und ich haben gelernt, miteinander zu kommunizieren und aufeinander zu achten. Natürlich trägt auch seine Auslastung bei der Schimmelsuche dazu bei. Und ich habe lernen dürfen und müssen, dass ich meine Nervosität runterfahren muss, damit Merlin ruhig arbeiten kann. Heute bin ich sehr stolz darauf, dass Merlin und ich als Team das fast immer schaffen 🙂
    liebe Grüße von Kerstin und Merlin

  3. Liebe Anna, ist schon alles richtig, aber es fällt doch schwer! Habe gerade eine Familie, die es wirklich nicht einfach hat. Monatliches eher knappes Einkommen, schwer behinderter Sohn, zweiter Sohn ebenfalls problematisch, Frau immer wieder Depri-Schübe etc. Da hat mich der Mann schon gefragt, dass es auch mal schön wäre, wenn sie nicht immer mehr aufgebürdet bekämen. Hat er schon recht! Ich sagte ihm dennoch, ist es gut, dass der Hund bei Ihnen ist mit seiner Persönlichkeit und auch seinen Problemen. Ich kann verstehen, dass man dann sagt, es wäre auch mal schön, wenn keine Herausforderungen auf einen zukommen, sondern man etwas einfaches „geschenkt“ bekommt. Aber da hilft kein Hadern, sondern dennoch die Chance erkennen. Oft kann man das ja auch erst viel später im Nachhinein erkennen. oder?

    • Liebe Birgit,

      manchmal muss man durch ein Nadelöhr und hadern hilft kein bisschen. Das stimmt! Ich höre bei der Beschreibung der Familie auch ein Bedürfnis nach Entlastung, Ruhe und Frieden. Wie könnte sich diese Familie auch zusammen mit dem Hund dieses Bedürfnis im Alltag erfüllen?

  4. Liebe Anna, für mich ist und war dieser Satz bisher nicht negativ belegt. Ist er auch jetzt nicht, aber Dein Artikel macht noch mal deutlich, wie andere ihn hören könnten oder verstehen. Ich habe ihn noch nie benutzt, würde ihn aber auch anders meinen (und wahrscheinlich auch formulieren). Nämlich als Herausforderung an den Menschen mit seinem Hund und das der Mensch diese Herausforderung annehmen kann und meistert. Vielleicht wäre da der Satz „Manche bekommen einen Hund und nehmen die Herausforderung an. “ treffend? Danke für Deine Sichtweise!

    • Hey Tina,

      Du schreibst, du würdest in diesen Satz das Zutrauen in die Hundeführerin legen und ihre Perspektive auf einen Lerngewinn. Das ist eine sehr hilfreiche Haltung. Ich denke auch, dass der Satz ursprünglich so gemeint ist.
      „Manche bekommen einen (schwierigen) Hund und nehmen die Herausforderung an“, gefällt mir gut, wenn die Herausforderung auch ein Scheitern zu lässt 😉 Mir geht es vor allem darum, den Druck immer mal wieder rauszunehmen und auch die schwierigen Momente zu würdigen.

      Schön, dass du mitliest und dir Gedanken machst!

  5. Liebe Anna,

    Leider bin ich nicht eine so regelmäßige Leserin aber ab und zu schaue ich mir eben auch ältere Beiträge an. Ja dieser Satz kann je nach Gemütslage sehr verletzend wirken. Aber wie viele hier, wie ich gelesen habe und mich auch sehr freut die Herausforderung annehmen und mit seinem Hund schwierige Situationen meistern . Aber gut das Du was ich hoffe viele zum Nachdenken anregst die vielleicht nicht immer so schnell mit ihren Aufgaben wachsen.

    Danke Anna

Comments are closed.