Im Pausengespräch bei der Arbeit erzähle ich einem Kunden von meinem Hund Cosmo und höre mich sagen: „Mein Hund ist kein guter Bürohund.“ Der Satz stimmt mich sofort traurig. Ich hätte ihn nämlich gerne öfter bei meiner Arbeit dabei. In meiner angestellten Tätigkeit als Assistentin der Geschäftsführung geht das nicht. Allein der Gedanke daran, dass ich ihn ins Büro mitnehme, löst bei mir Stress aus. Meine Chefin hat ihren Hund hingegen oft im Büro dabei. Mit ihrem klappt das gut. Schon hadere ich einmal mehr damit, dass ich Cosmo und keinen anderen Hund habe.

Mein Leben mit Hund wäre so schön

Wenn Cosmo mich den ganzen Tag bei der Arbeit begleiten würde, wäre mein Leben so schön. Zumindest stelle ich mir das so vor. Er läge zu meinen Füßen. Ich könnte ihm beim Schlafen zusehen und wenn er mit seinen Läufen im Traum wackelt, würde mich das zum Lächeln bringen. Ganz bestimmt träumt er dann von einer netten Hundefreundin, mit der er Rennspiele veranstalten kann. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Vormittags schläft er zuhause. Keiner sieht ihm beim Träumen zu.

Es sind nur meine Gedanken.

Mittlerweile kenne ich diese Gedanken über meinen Hund und schenke ihnen keinen Glauben mehr. Denn es sind nur meine schweren Gedanken, die mich traurig machen. Diese Gedanken, nennt man auch Glaubenssätze, weil wir glauben, sie seien wahr und unveränderlich. Du willst, dass dein Hund ein bestimmtes Verhalten (nicht) zeigt oder anders sein sollte, z. B. Mein Hund kommt nie, wenn ich ihn rufe. / Mein Hund sollte entspannter sein. / Mein Hund sollte nicht an der Leine laufen müssen. Die Gedanken „Mein Hund sollte mich bei meiner Arbeit begleiten“ oder „Mein Hund ist kein guter Bürohund“ habe ich bei mir schon vor einiger Zeit identifiziert.

Glaubenssätze über Hunde

Glaubenssätze können auch andere Menschen mit Hund betreffen. Wenn wir denken, der andere Hundehalter sollte etwas Bestimmtes tun oder anders (zu uns) sein, z. B. Ich will, dass der andere Hundehalter auf mich Rücksicht nimmt. / Eltern sollten ihren Kindern Respekt vor Hunden beibringen. / Mein Freund ist lieblos zu meinem Hund. Allein der Gedanke an Momente, in denen du das erlebst, macht dich fassungslos, traurig, wütend oder schockiert. Am liebsten würdest du solche Situationen gänzlich vermeiden und aus der Welt schaffen.

Da muss man doch was tun!

Weil wir die Gedanken für wahr halten, haben sie eine enorme Macht über uns. Sie steuern nicht nur unsere emotionale Reaktion, z. B. den Grad der Freundlichkeit gegenüber den besagten Hundehaltern, sondern auch eigene Verhaltensmuster bis hin zu Zwängen und Süchten. Glaubenssätze über den Hund lösen Handlungsdruck aus. Das passiert meistens unbewusst. Wenn ich denke „Mein Hund ist kein guter Bürohund.“, will ich meinen Hund ändern. Das heißt in dem Fall, dass ich denke, wir brauchen Hundetraining. Doch mit Hundetraining mache ich aus meinem Hunde keinen Bürohund. Schließlich geht es um etwas anderes.

Mein Leben mit Hund ist so schön

Es geht um den Gedanken, der mir eine Wirklichkeit vorgaukelt, die nicht der Wahrheit entspricht. Wenn ich meine Glaubenssätze kenne und sie hinterfrage, fallen mir direkt mehrere Beispiele dafür ein, wann Cosmo ein toller Bürohund ist. Er begleitet mich seit einigen Jahren täglich bei meiner Arbeit als freiberuflicher Coach. Während der Online-Coachingsessions in meinem Büro liegt er auf dem Rücken, alle vier Pfoten in den Himmel gestreckt und völlig tiefenentspannt auf seinem Platz neben mir. Beim Achtsamkeitstraining habe ich ihn dabei und arbeite auch mit ihm zusammen. Nicht zuletzt war einer der Gründe, warum ich angefangen habe zu schreiben, dass ich ihn nicht überall mit hinnehmen kann. Das ist ein Geschenk. Mein Leben mit Hund ist so schön.

Es kommt auf die Perspektive an

Glaubenssätze verengen den Blick auf deinen Hund. Wenn du ihnen glaubst, siehst du irgendwann nur noch den Chaoshund mit all seinen Baustellen. Du trainierst womöglich deinen Hund, obwohl es gar nicht um ihn geht. Die Ursache ist dein eigener Stress ausgelöst durch den Gedanken und nicht der Hund. Ein erster Schritt, um Glaubenssätze zu lösen, kann der Perspektivwechsel sein. Gelingt es dir, deine Gedanken über deinen Hund zu bemerken und zu hinterfragen, lassen sich ganz oft Lösungen ohne Hundetraining finden.

Deinen Hund mit dem Herzen sehen

Die Arbeit mit Glaubenssätzen über den Hund ist für mich wie eine Meditation. Schließlich geht es darum, aus dem Kopf und ins Gefühl zu kommen. In der Ruhe tauchen all die Gefühle auf, die du mit dem schweren Gedanken und den daraus folgenden Handlungsimpulsen gewohnheitsmäßig überdeckst. Es ist so wichtig, gerade auch diesen negativen Gefühlen Raum zu geben und den Schmerz zu spüren, den der Gedanke auslöst. Erst dann wird der Blick wieder frei. Sind wir auf diese Weise mit unserem Gefühl verbunden, können wir den Hund nicht nur mit unseren Augen, sondern auch wieder mit dem Herzen sehen.

Glaubenssätze nachhaltig verändern

Um Glaubenssätze nachhaltig zu verändern, braucht es unbedingt das Gefühl. Es reicht nicht, nur mit den Worten zu spielen. Da wir uns vor den unangenehmen Gefühlen fürchten, neigen wir leider dazu diesen Schritt zu überspringen. Doch gerade dein Gefühl hilft dir, den neuen Gedanken auch zu vertrauen. Dazu ist es hilfreich, wenn du Beispiele aus deinem Leben findest, wann das Gegenteil für dich auch wahr war oder ist. Für meinen Glaubenssatz „Mein Hund ist kein guter Bürohund“ habe ich bereits Beispiele gefunden. Jetzt bist du dran: Welcher Gedanke stresst dich? Ist er wirklich wahr oder gibt es vielleicht auch noch eine andere Sicht auf deinen Hund?

Foto © Claudia Kopp-Ulrich – Hundeschule Ulrich