Woran du messen kannst, ob du mit deinem Hund erfolgreich bist

Erfolg ist laut Duden, die Tatsache, dass eine Anstrengung zu einem guten Ergebnis geführt hat und Anerkennung findet. Aber wer bestimmt, was gut ist und wo wir diese Anerkennung finden, das steht mal wieder nicht drin.

Die Vermutung liegt nahe, dass irgendjemand dafür zuständig ist, wie damals unsere Eltern oder in der Schule die Lehrerinnen, uns zu sagen, ob wir erfolgreich sind. Wir suchen also Orientierung in der Rückmeldung anderer Menschen. Das ist eine vertrackte Denke, weil sie dazu führt, dass wir uns um unsere Erfolge bringen.

Wir bringen uns um unsere Erfolge mit Hund

Gibt es doch in der Hundewelt mindestens genauso viele Hundetrainer/innen wie Hundehalter/innen und Erfolg ist für jeden etwas anderes. Trotzdem nehmen wir auf der Suche nach unseren Erfolgen jedes Feedback an. Vielleicht sagt ja endlich mal jemand den erlösenden Satz „Das hast du wirklich gut gemacht!“ oder auch nur „Ja, du bist auf einem guten Weg!“. Dieses Feedback bleibt aber nicht selten aus.

Verstehen wir unter Erfolg doch nur das 100%ige Erreichen unserer Ziele, wie z. B. der Hund kann problemlos alleine bleiben, die entspannte Hundebegegnung oder das gelassene Bestehen der Prüfung. Diese herausragenden Ereignisse, die wir als Erfolg bezeichnen, stellen sich aber erst nach kontinuierlicher und konsequenter Arbeit ein – oder je nach Größe der Ziele auch nie. Der Vergleich mit großen Zielen führt am Ende also nicht dazu, dass wir uns als erfolgreich bezeichnen oder auch nur im Ansatz so fühlen.

Woran soll man den Erfolg mit Hund messen?

Wenn du wissen möchtest, ob du mit Hund erfolgreich bist, dann hilft nur ein Vergleich: Der Vergleich mit deinem früheren Ich. Du bist die einzige Person, die beurteilen kann, ob sie erfolgreich ist. Nur du weißt, wo du gestartet bist, welche Schritte du bereits gegangen bist und wo du heute stehst. Ich wette mit dir, dass du in diesem Vergleich sicher bestehen kannst. Es geht nämlich nicht darum, wie viele Punkte, Pokale oder Auszeichnungen du mit Hund bekommen hast, es geht um deine Persönlichkeit. Mit jedem auch noch so kleinen Erfolg wächst deine Persönlichkeit.

Wenn du mit Hund erfolgreich sein möchtest, dann schule deinen Blick für die positiven Veränderungen, z. B. im Vergleich zu früher kannst du vor schwierigen Prüfungen in der Nacht davor gut schlafen, du hast gelernt, Hundebegegnungen einzuschätzen und meisterst sie auf deine Weise oder dein Hund kann zwar nicht immer problemlos alleine bleiben, dafür hast du mit ihm erreicht, dass er dich überall begleiten kann oder im Auto ruhig schläft.

Motivation ist, deine Erfolge sichtbar zu machen.

Auch wenn es für dich kleine Dinge sind und du jetzt vielleicht noch denkst: „Das ist doch selbstverständlich, dass der Hund das kann.“ Mach’ dich immer wieder darauf aufmerksam, was ihr beide zusammen schon geschafft habt. Das motiviert, weil wir genau dieses Feedback brauchen. Heißt es doch, dass unsere Anstrengung zu einem guten Ergebnis geführt hat und Anerkennung findet. Das ist schließlich auch der Erfolg, den wir suchen.

Anna Meißner ist Strukturgeberin für Persönlichkeit und Entwicklung. Sie hilft dir, genau der richtige Mensch für deinen Hund zu sein.

7 Comments

  1. Liebe Anna,
    wieder einmal so treffend formuliert.
    Gerade Sonntag haben wir einen Meilenstein bewältigt der für andere wahrscheinlich wenig offensichtlich gewesen ist. Wir waren das erste Mal mit einer kleinen Gruppe von 4 Hunden auf einem Spaziergang und es war grandios und erfüllt mich mit Stolz, dass wir es nach fast 4 Jahren schaffen, dass so etwas für uns beide eine Qualitativ hochwertige Zeit wird!
    Fremde haben gesehen: § freundliche Hunde und einen bulligen, unfreundlichen Terriermix, der auf auf jeden Jogger, Radfahrer und ganz fatal auf Kinder reagiert…ein so aufgeregter Hund, dass ihm die Schaumflocken um die Ohren fliegen…Für Niemanden schön, geschweige denn für uns! ( und das mir, als Trainerin) ABER:
    Für uns ein riesen Schritt: Er orientiert sich an mir durch Blickkontakt, reagiert in dieser Aufregung auf mich…das war vorher nie möglich!
    Er erträgt meine Begrenzung ohne das er mich in seiner Wut tackert….und er fährt sich innerhalb von 30 Sekunden wieder runter einmal geschüttelt und weiter gehts….als wenn er nie etwas anderes gemacht hätte.
    Ich bin wirklich stolz auf uns und hoffe immer auch anderen Menschen mit reaktiven Hunden Mut zu machen, sich die Zeit zu nehmen die es dauert und auch die kleinen Erfolge zu feiern, wichtig ist in der Tat, dass ich weiß was wir da leisten, nicht was andere über uns denken!
    In diesem Sinne…Danke für Deine schönen Texte!
    Herzlichst Deine Katrin

    • Liebe Katrin
      Herzlichen Dank für deinen Kommentar. Den Perspektivwechsel zu schaffen, von dem, was andere sehen und denken könnten, hin zu dem, was du siehst, weil du den Weg kennst, weil du ihn mit dem Hund gegangen bist und dich darüber freuen zu können, das ist echt stark. Du kannst wirklich stolz auf dich sein!

  2. Hallo Katrin, hallo Anna
    Danke euch für diese Texte. Ich sehe das genauso. Solange wir den Fokus im Aussen haben, dabei, was andere von uns denken mögen oder wie sie uns (gerade als Trainerin!) bewerten, so lange wird sich nichts ändern und wir veheddern uns nur im Leistungsdruck und in dem, was vermeintlich von uns erwartet wird. Den Blick scharf zu stellen, sozusagen mit dem Marko auf unseren kleinen Kosmos mit Hund zu schauen, auf unsere Leitsungen und das Erreichte, auch mal zurückzuschauen was vor einem Jahr noch war, erst das macht uns stolz und gibt uns die Motivation weiterzumachen. Hund ist eben nicht gleich Hund, und wer sich traut mit einem nicht ganz einfachen Hund den Weg zu gehen, der wird um so viel mehr wachsen als jemand, der immer den einfachsten Weg wählt.
    Ganz herzliche Grüsse an euch zwei
    Monika

  3. Da hast Du ein sehr schönes Thema aufgegriffen, Anna.
    Gerade heute in der durch Leistung geprägten Gesellschaft wird der Begriff Erfolg sehr häufig verwendet. Jerdermann/jederfrau wird suggeriert, dass Erfolg das A und O ist, wie wichtig Erfolg für ein glückliches Leben ist usw. Dabei wird Erfolg vor allem an materiellen Dingen oder an der Karriere gemessen. Die vielen kleinen Dinge des Lebens, die jedoch das Leben erst so recht lebenswert machen, werden oftmals ausgeblendet.
    Anders als in der Natur, wo Erfolg für eine Pflanze, ein Tier oder Mikroorganismen darin besteht, als Art erhalten zu bleiben, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen (sowohl als einzelnes Individuum, als auch als Summe , z.B. einer Art) und sich entsprechend veränderter Bedingungen weiterzuentwickeln, suggerieren sich Menschen gegenseitig, dass nur der wirklich erfolgreich ist, der genügend Geld, einen supertollen Partner und noch einen Traumjob hat, oder die Kinder in der Schule nur wirklich erfolgreich (und damit Vorbild und geachtet) sind, wenn sie traumhafte Zensuren haben.
    Ich finde diese Herangehensweise gruselig, denn sie führt logischerweise dazu, dass eben diejenigen, die nach diesem Konzept nicht oder nur wenig erfolgreich sind, in eine Spirale geraten können, die mit negativem Stress, verminderter Selbstachtung, Depressionen, Neid, Hass usw. einher geht.
    Um so wichtiger ist es, den Blick und das innere Gefühl dafür zu schärfen, dass Geld und Ruhm und MMacht nicht alles sind, sondern dass die Dinge im Leben wirklich zählen, die ein Problem und/oder eine Herausforderung darstellen/darstellten und deren Bewältigung jemanden vielleich an den Rand der Verzweiflung trieb, oder aber zumindest ein erhebliches Hindernis für einen entspannten Alltag mit wenig oder keinen sozialen, familiären oder gesellschaftlichen Reibungspunkten waren/sind.
    Wie heißt es doch? Hunde spiegeln ihre Menschen. Und weiter: Du bekommst den Hund, den Du brauchst.
    Natürlich wird sich bei Einzelnen Widerstand und Widerspruch gegen diese Aussage regen. Sehr viele werden zustimmen.
    Und dennoch ist es ja so, dass sehr viele Menschen ihre eigenen Probleme auf andere Menschen, Regierungen, den Arbeitgeber, Umstände usw. abwälzen, weil sie nicht in der Lage sind, sich in geeigneter Weise selbst zu reflektieren und kausale Zusammenhänge zwischen Hundeverhalten und dem eigenen Verhalten herzustellen.
    Als ich vor ca. 1,5 Jahren meinen „verhaltensoriginellen“ Rüden durch „Zufall“ in einer Blitzaktion zu mir nahm und dadurch nicht nur mit ihm, sondern auch mit der eigenen Familie und mit Freunden, einige Herausforderungen zu bewältigen hatte, war mir das (dieses Spiegeln) zwar vom Grundsatz her bekannt, jedoch nicht wirklich glaubhaft. Wie kann es sich durch Verkettung einiger Umstände derart ergeben, dass ich plötzlich wirklich einen Hund hatte, der so viele Eigenschaften besaß, die bei genauer Betrachtung meiner Person auch von mir verkörpert wurden?
    Und schon ist der erste „Erfolg“ da, nämlich der der Selbsterkenntnis und Selbstreflexion. Was dazu führt, dass die Probleme, die der Hund im Umgang mit anderen Hunden und Menschen macht, nicht durch stupides Training, durch Weg-Konditionierung beseitigt werden, sondern durch die Art und Weise meiner eigenen Veränderung und des daraus resultierenden gelassenen (den ich zugegebener Maßen noch nicht immer realisieren kann), aber auch konsequenten sowie respekt- und liebevollen Umgangs mit meinem Hund.
    Wenn ich den Vergleich ziehe zwischen heutigen Hundebegegnungen oder der Reaktion bei Wildbegegnungen, so sind wir zwar noch nicht an dem Punkt, an dem ich offen und ehrlich sagen kann: “ meiner tut nix“, aber wir sind auf gutem Weg, denn mein Puls und meine Emotionen (und auch die des Hundes!) zeigen nur noch geringfügige Ausschläge nach oben und nicht mehr die „Formel 1 Blitzstart Variante“. Und genau das ist ein weiterer Erfolg! Der führte u.a. auch dazu, dass sich inzwischen Freunde trauen, den Hund zu führen oder anzufassen, was vor einem Jahr fast undenkbar war.
    Natürlich habe ich diesen Weg nicht allein gemeistert. Ich habe mir Hilfe gesucht und gefunden, zwar nicht immer die, die ich mir erhofft hatte, doch auch das ist Erfolg: zu erkennen, das Veränderungen Zeit benötigen, und zeitlich strukturierte Pläne eine Hilfestellung sein können, aber auch Druck und damit Unzufriedenheit auslösen, wenn etwas nicht gleich klappt. Gut Ding will eben Weile haben, wie schon unsere Vorfahren sagten. Und Geduld zu lernen ist wie das Erlernen der Impulskontrolle bei Hunden.
    Im Übrigen ist mir das, was ich in den vergangenen Jahren mit und durch Hunde lernen durfte, mehr wert, als das Geld, welches ich dafür investiert habe. Im Sinne materiellen oder karrieremäßigen Erfolgs bin ich wohl eher der Loser, was mir egal ist, denn bei der Persönlichkeitsentwicklung und im Umgang/Zusammenleben mit meinem Hund bin ich erfolgreich.

    • Lieber Gerd
      Vielen Dank für deine Geschichte über deinen persönlichen Erfolg mit Hund. Es gehört schon was dazu, in den Spiegl zu sehen und die nötigen Schlüsse für sich zu ziehen. Du hast dich sehr stark mit dir auseinander gesetzt und dadurch schon viel im Leben erreicht. Hut ab!

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