… einen Entschluss fassen.

Hunde mögen keine unentschlossenen Menschen. Nein – stopp! Mögen vielleicht schon, aber sie folgen unentschlossenen Menschen weniger. Wenn mein Hund sprechen könnte, würde er tagtäglich wiederholen: „Wenn du etwas von mir willst, dann sei überzeugt davon.“ Habe ich es wieder mal vergessen, erinnert mich sein fragender, kritischer oder sogar manchmal ignoranter Blick daran, dass er es mir gerade nicht abnimmt und entsprechend auch nicht bereit ist, was auch immer ich von ihm will zu tun und sei es bloß ein SITZ 😛

Motivation und Bereitschaft, etwas für jemanden zu tun, entsteht dann, wenn jemand entschlossen auftritt. Wenn wir wahrgenommen werden wollen, dann braucht es Entschlusskraft. Es reicht nicht, zu sagen, es wäre ja schön, wenn du dies oder das tätest. Sondern es braucht, die Entscheidung, eine innere Vorstellung von dem, was du willst. Das gilt im Alltag, beim Sport, im Beruf und in der Erziehung sowieso.

Doch was ist eigentlich Entschlusskraft?

Entschlusskraft ist eine psychische Steuerungskraft. Es ist die Fähigkeit, situationsangemessene Entscheidungen zu treffen und sofort in motorische Handlungen umzusetzen.

Das heißt, du fackelst nicht lange, triffst eine Entscheidung und ziehst sie noch im selben Moment durch. Im Hundeverhaltenstraining lernt man, dass es wichtig ist, nicht zu zögern. Konsequentes Handeln bedeutet hier, direkt zu agieren und einzugreifen. Hunde haben in dieser Hinsicht ein unglaubliches Zeitgefühl 😉 Sie spüren dein Zögern im Hundertstelsekundenbereich.

Es gibt Momente, in denen es leicht fällt, die Entscheidung zu treffen und ohne weiteres danach zu handeln. Da fällt mir die Situation ein, in der ich meinen Welpen mit meinen neuen Cowboystiefeln aus echtem Leder erwischt habe … Zack war ich am Start und mein NEIN! war so überzeugend, dass er nie wieder nachgefragt hat, ob das Ding zum Abkauen da ist.

In anderen Situationen wird es schon kniffliger. Insbesondere wenn andere Menschen mit von der Partie sind, bspw. in Hundebegegnungen. Hier kommen einige Dinge zusammen und es ist gar nicht so leicht, zu entschieden, was zu tun ist. „Wie wird der andere Hund/Mensch reagieren?“ „Nehm ich meinen an die Leine?“ „Was ist, wenn der andere Hund nicht hört?“ usw. tausend Gedanken schießen dir vielleicht durch den Kopf und während du denkst, kommt der andere immer näher.

Jetzt geht es darum, die Situation schnell einzuschätzen und zu wissen, was du tun willst. Mein Hund interpretiert in dieser Hinsicht jegliches Zögern als Schwäche und sagt sich dann mal: „Mutti, wenn du es nicht weiß, ich weiß, was zu tun ist …“

Wenn wir unentschlossen sind, dann ist unsere innere Haltung unsicher und fragend. Manchmal wünschen wir uns in solchen Momenten, dass uns unser Gegenüber die Erlaubnis gibt, die Entscheidung zu treffen. Bestimmt kennst du diese oder ähnliche Fragen: „Soll ich meinen Hund anleinen?“ „Ist Ihrer brav?“ „Meinen Sie es geht gut?“

Es gibt ja auch nicht die eine Lösung oder das Rezept für schwierige Situationen mit oder Hund. Es geht auch nicht darum, jetzt perfekt zu handeln, sondern darum überhaupt etwas zu tun. Stell dir vor, ein Torwart könnte sich beim Elfmeterschießen nicht entscheiden, was er tun will und überlegt noch, während das Tor fällt. Unvorstellbar! [pullquote]Jede Entscheidung ist besser als gar keine zu treffen.[/pullquote]

Eine ausgeprägte Entschlusskraft hilft dir, innerlich klar zu sein und  handeln zu können. Das schnelle und gezielte Handeln kann von Mensch und Tier wahrgenommen werden.

Wie kannst du deine Entschlusskraft verbessern?

Wie man diese psychische Steuerungsfähigkeit verbessern kann, wurde vor allem im Mentaltraining von Sportlern getestet. Sportler müssen bestenfalls auch jederzeit ihre Leistung abrufen können und wenn die Entschlusskraft im entscheidenden Moment fehlt, sie nur einen Moment zu langsam sind und nicht reagieren, kann das über Sieg und Niederlage entscheiden.

1. Triff eine Entscheidung!

Übe, in unerwarteten Situationen, wie den Hundebegegnungen, Entscheidungen zu treffen und entsprechend zu handeln, ohne den eigenen Anspruch, dass es perfekt laufen muss. Im Nachhinein kannst du immernoch schauen, ob das nun hilfreich war, funktioniert hat oder was du evtl. ändern willst.

2. Fokussiere dich!

Konzentriere dich auf das, was du entschieden hast zu tun und blende alles andere aus. Wenn du das kannst, dann stell dir innerlich genau vor, was du tun willst. Wenn du von deinem Hund ein SITZ willst, dann stell es dir vor, wie auf einem Foto.

3. Wiederhole es!

Wiederholung bringt Erfahrung und Erfahrung unterstützt dich dabei, Entscheidungen zu treffen. Im Hundetraining geht es auf der einen Seite darum, Bewegungsabläufe ‚trocken’ zu trainieren und andererseits in vielen verschiedene Situationen in unterschiedlich hoher Anspannung oder Reizlage (von Hund und Mensch) zu trainieren.

4. Hab Geduld mit dir!

Wenn man sich mal überlegt, wie oft ein Leistungssportler tagtäglich (Bewegungs-) Abläufe und Situationen trainiert, dann wird einem erst einmal bewusst, wie viel Zeit es einfach braucht. Wenn dein Zögern anfangs zu lang ist, dann sei nicht zu streng mit dir. Es ist schon ein Erfolg, wenn du dein Zögern wahrnehmen kannst und darauf baust du Schritt für Schritt auf.

 

Wenn wir entschlossen auftreten, können wir nicht nur unseren Hund für alle möglichen Aufgaben gewinnen, sondern auch Menschen erreichen. Trainiere deine innere Überzeugung: Sei dir sicher, dass das, was du vorhast, Sinn macht und steh zu 100% (oder zumindest am Anfang mehr als 70% 😉 ) dahinter.

Bis bald und immer dran denken: Geh mutig und klar deinen Weg!

Anna Meißner ist Strukturgeberin für Persönlichkeit & Entwicklung. Sie hilft Menschen, sich selbst auf die Spur zu kommen, um mutig und klar ihren Weg zu gehen.