Da schwillt dir der Kamm! Aber wie kannst du deine Grenze klar machen?

Stell dir einmal vor: Zwei große Hunde kommen auf dich zu gerannt. Als der erste bei dir ankommt, springt er hoch und schnappt dich in den Arm. Ganz klar: Das geht mal gar nicht! Doch als die zwei Hundehalter- innen bei dir sind und du ihnen schockiert erzählst, was gerade passiert ist, hörst du irritiert: „Das kann gar nicht sein, eben sind doch auch schon Radfahrer vorbeigefahren und es ist nichts passiert. Das muss wohl an dir liegen!“ Du fängst an zu zweifeln: „Hast du was falsch gemacht; hast du am Ende das Verhalten provoziert?“

Genau diese Situation ist meiner Kollegin diese Woche passiert. Sie hat es mir erzählt und wollte wissen, was sie hätte tun können. Doch im Grunde ging es um die Bestätigung:

Sowas geht nicht. Da wurde eine Grenze überschritten!

Warum und wieso sich die Hunde so verhalten haben, ist doch wurscht. Es ist auch wurscht, ob – nennen wir sie mal – Susanne sich hätte anders verhalten können. Nicht wurscht ist, dass diese Hundehalterinnen die Verantwortung auf Susanne schieben. Den Tieren kann man keinen Vorwurf machen, den Hundehaltern schon.

Sicher kannst auch du ein Lied davon singen und hast solche oder ähnliche Situationen erlebt, in welchen du im Nachhinein unsicher wurdest und bei dir den Fehler gesucht hast. Denn so sind wir doch: einfühlsam, mitfühlend, kritikfähig und verständnisvoll bis zum Gehtnichtmehr 🙁  .

Warum ich diese Geschichte ausgesucht habe?

Weil es überdeutlich ist, dass eine Grenze überschritten wurde und wenn es deine Kollegin wäre, dann würdest du auch zu ihr sagen: Das ging zu weit! Aber dir selbst gegenüber, wenn dir das passiert, dann heißt es: „Mhm, ja, war wohl doch auch mein Fehler…“ Für dich einzustehen und deine Grenze zu verteidigen, das ist nicht so leicht.

Deine Grenzen ernst zu nehmen und dafür einzustehen, gehört unbedingt dazu, wenn du mutig und klar deinen Weg gehen möchtest.

Gerade wenn man so tickt wie du und ich, ist es ungewohnt und braucht etwas Übung. Auch wirst du nicht von heute auf morgen zack-zack wie ein Samurai das Schwert schwingen 😉 Genau wie im Kampfsport braucht es Training und am Ende findest du deinen eigenen Stil.

Wie kannst du nun für dich einstehen?

1. Ändere deine innere Haltung: weg vom Problem hin zur Lösung

Anstatt zu denken, „warum kann ich nicht für mich einstehen,“ überlege einmal: Warum gelingt es dir, z. B. für Susanne Partei zu ergreifen? Was ist anders, wenn du die Geschichte von Susanne hörst und ganz klar erkennst: Das geht nicht! Wie machst du das?

So oder so ähnlich könnte eine Antwort aussehen:

– ich betrachte die Situation wie ein unbeteiligter Dritte

– ich kenne Susanne (bzw. als Kollegin von Anna ist sie sicher eine nette Person 😉 ) und vertraue ihrer Einschätzung

– ich bin klar und weiß genau, wo die Grenze ist

– ich spüre meinen Ärger

– … (Was fällt dir noch ein?)

Im lösungsorientierten Arbeiten liegt die Chance, dass du erkennst: Ich kann Grenzen wahrnehmen und für ihre Einhaltung einstehen! Die Lösung steckt also bereits in dir. Wenn du diese innere Haltung kennst, in der es dir gelingt, kannst du das auch immer besser auch in stressigen Momenten für dich nutzen.

2. Achte auf die Signale deines Körpers.

Cosmo schwillt der Kamm ;-)

Cosmo schwillt der Kamm 😉

Manche Hunde stellen in unangenehmen Situationen das Fell, blecken die Zähne, knurren oder bellen. Wir Menschen haben gelernt, unsere körperlichen Signale zu ignorieren und uns anzupassen. Doch sie sind noch da und wir können uns auf unseren Körper verlassen. Wenn du unsicher bist, ob deine Grenze überschritten ist, dann achte mal auf deinen Körper. Schwillt dir der Kamm? Grummelt dein Bauch? Fährt es dir in den Magen? Juckt dir der Pelz? Dein Körper zeigt dir ganz bestimmt an, was gerade angesagt ist.

3. Raus aus der Schockstarre: Beweg dich!
Nun hast du also geklärt, dass deine Grenze da ist und dein Körper bestätigt das auch. Als Nächstes geht es darum, wie du ins Handeln kommst. Ganz oft kann man in der Situation – gerade wenn sie so blöd ist, wie die Geschichte von Susanne – nichts an der Meinung der anderen Person ändern. Du kannst lange versuchen, zu überzeugen, das führt nicht weiter. Denn diese Personen werden deine Sichtweise nicht verstehen und sich nicht für ihr Verhalten entschuldigen. Zur Überwindung der Hilflosigkeit ist es aber absolut wichtig, sich handlungsmächtig zu fühlen und raus aus der Schockstarre zu kommen.

Folgende kleinen oder größeren Bewegungen könntest du tun:

– du wendest deinen Blick ab/ deinen Körper ab
– du beendest das Gespräch (ohne Worte)
– du gehst weg (nimmst dir deinen Raum selbst!)
– du gibst dir innerlich Unterstützung, z.B. mit einer Affirmation
– du sagt: „AHA“ und wendest dich ab/gehst
– du wirst deutlich und sagst: „Das geht nicht!“
– du wirst laut und sagst deine Meinung (es ist jetzt wurscht, ob der andere das versteht oder nicht, es geht darum, dem Ärger Ausdruck zu verleihen)
– Je nach Situation kann es auch angebracht sein, dir Unterstützung zu holen: Wenn gerade jemand in der Nähe ist, dann sprich die Person an, ob sie dir helfen kann./Im Falle eines andauernden Streits, z. B. mit deinem Nachbarn, der dich wegen deines Hundes beschimpft, hilft eine Mediatorin/Wenn dich jemand angreift oder sogar körperlich verletzt, kannst du die Polizei verständigen.

Mir ist ganz wichtig, dass es oft nicht viel braucht und wenn du weggehst – dich nicht auf eine Diskussion einlässt und innerlich zu dir stehst – dann reicht das! Wir denken oft, wir müssten hin stehen, auf den Tisch hauen und richtig laut werden. Dabei geht es erstmal darum, dir selbst klar zu machen, dass deine Grenze ihre Berechtigung hat und du dir erlauben darfst, entsprechend zu handeln. Wie du handelst, das entscheidest du dann situativ richtig.

Deine Grenzen sind wichtig!
Du darfst deine Grenzen deutlich machen und dafür einstehen!
Du darfst dir Hilfe holen, wenn du oder dein Hund verletzt wird!

Deine Grenze ist individuell. Es gibt Menschen, die empfindlich sind und andere eben nicht. Dennoch hat es seine Berechtigung, wenn du sagst: Das geht für mich nicht! Manche Hunde – und vor allem Cosmo – sind sofort da, wenn ihre Grenzen überschritten werden ( sog. A-Typen / lieben Gruß an Herrn Ganzloser 🙂 ). Wenn eine Katze oder auch ein anderer Hund zu nah kommt, dann macht er direkt deutlich, dass er davon nichts hält. Mit der Zeit habe ich gelernt, mit Cosmos Grenzen umzugehen. Das ging nur, indem ich anerkannt habe, dass er diese Grenzen spürt und ich mich für ihn stark mache. Mach dich für dich stark – du bist es wert!

 

Zum Abschluss gebe ich dir eine Affirmation für NACH einer dummen Situation und/oder wenn dich mal wieder der Zweifel packt 😉

Ich bin einzigartig und wertvoll. Ich erlaube mir, meine Grenzen wahrzunehmen und für mich einzustehen. Ich bin sicher.

 

Wie machst du deine Grenze klar? Ich freu mich auf deinen Kommentar.

Bis bald und immer dran denken: Geh mutig und klar deinen Weg!

Unterschrift

Anna Meißner ist Strukturgeberin für Persönlichkeit & Entwicklung. Sie hilft Menschen, sich selbst auf die Spur zu kommen, um mutig und klar ihren Weg zu gehen.

4 Comments

  1. Hi Anna,
    gilt nicht nur bei Hunden so. Ich musste das vor Jahren intensiv lernen. Leider war mein Lehrmeister mein Bruder, der mir meine strikten Grenzen bis heute noch übel nimmt.
    Liebe Grüße
    Wolfram

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