Böser Hund! – Na und?

Eigentlich solltest du drüber stehen. Das, was andere von dir und deinem Hund halten, das müsste dir sonstwo vorbei gehen. In der Theorie klappt das auch schon ganz gut. Denn du bist dir sicher,

  • du agierst rücksichtsvoll.
  • du passt auf, dass nichts passieren kann.
  • du bist verständnisvoll, wenn Menschen Angst vor euch haben.
  • du handelst vorausschauend und weichst bei Bedarf aus.

Doch dann ist da wieder dieser Moment, in dem du den Satz zu hören bekommst:

Das ist ein böser Hund!

Wütend möchtest du entgegnen: Das stimmt nicht! Aber es bringt nichts. Du denkst: „Die, die das sagen, haben ihr Urteil schon gefällt und wissen es am Ende sowieso besser.“ Obwohl du dich nach Kräften bemühst, kannst du hier niemanden vom Gegenteil überzeugen. Das tut weh.

Gehört dein Hund zu den Guten oder den Bösen?

Die Reaktion solcher Menschen lässt dich mutlos, kraftlos, traurig und allein zurück. Du denkst, mit dir stimmt was nicht, weil dein Hund nicht richtig ist. Es geht doch hier nicht um gut und böse, sondern darum dass es wichtig ist, dass Menschen sich um Verständnis für die Situation des Anderen bemühen. Du wünschst dir, die anderen würden auf dich und deinen Hund genauso achten, wie du auf sie.

Hast du jetzt zustimmend vor dich hin genickt und vielleicht auch mal tief durchgeatmet, weil du solche Momente nur allzu gut kennst? Dann habe ich hier etwas für dich.

„Böse“ ist relativ 😉

Kommunikation ist das, was du daraus machst. Was mit „böse“ gemeint ist, ist für dich etwas anderes als für denjenigen, der die Wertung ausspricht.

Für dich heißt „böse“:

  • Der Hund beißt.
  • Der Hund ist ein Problem.
  • Der Hund ist schlecht erzogen.

oder:

  • Du hast ihn zu dem gemacht, was er ist.
  • Du hast den Hund nicht im Griff.
  • Du bist unfähig deinen Hund zu führen.

Puh, das ist echt schwer zu nehmen. Da nimmst du dir eine volle Ladung Schuldgefühle mit. Dabei kann es ganz anders gemeint sein.

Der, der „böse“ sagt, kann auch ausdrücken:

  • Der Hund ist mir unheimlich.
  • Dieses Hundeverhalten kenne ich nicht.
  • Der Hund macht mir Angst. / Ich habe Angst

oder:

  • Ich kann den Hund nicht einschätzen.
  • Ich möchte Abstand halten.
  • Ich hoffe, du passt auf.

 

Das, was jemand sagt, hat oft viel mehr mit ihm selbst zu tun als mit dir oder deinem Hund. Wenn jemand deine Sicht gerade nicht nachvollziehen kann, dann liegt es nicht an dir und heißt nicht, dass du komisch bist.

 

Mein Lieblingslied dazu: „Ich bin ich“ von Xavas

 

Wenn du es schaffst, diese Perspektive einzunehmen, dann kannst du die Grenze zwischen dir und dem Anderen zu ziehen, dich wieder aufrecht hinstellen und sowohl nach innen auch nach außen selbstbewusst vertreten:

 

Ich kann mit meinem Hund umgehen und weiß ihn einzuschätzen. Ich gehe mutig und klar meinen Weg!

 

Welcher Hund ist „gut“ und welcher „böse“?

Was kann damit gemeint sein und wie gehst du damit um?

Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Anna Meißner ist Strukturgeberin für Persönlichkeit & Entwicklung. Sie hilft Menschen, sich selbst auf die Spur zu kommen, um mutig und klar ihren Weg zu gehen.

13 Comments

  1. Ich kenn das nur zu gut, dass mein Hund als böse abgestempelt wird. Zwar ist das schon ziemlich lange her – da war Cabo in seiner Sturm- und Drangzeit – aber bis heute lassen mich die Negativkommentare von damals nicht so richtig los. Obwohl Cabo lange nicht mehr so ein Stinkstiefel ist, wie er mal war. Im Grunde ist er es gar nicht mehr, nur in meinem Hinterkopf keimen diese Gedanken hin und wieder auf. Dein Blogbeitrag hilft mir dabei, anders mit diesen Geistern der Vergangenheit umzugehen. Vielen Dank, Anna!

    • Hi Silvana
      oh diese Geister der Vergangenheit, die kenne ich nur zu gut 😉 Sie erinnern einen an die eigene Verletzlichkeit und auch an die Kraft, die daraus wächst. Ohne diese Erfahrungen wärest du heute nicht der Mensch, der du bist. Cabo ist defintiv einer der Guten!!

  2. Wir haben einen Herdimx , ehemals Kettenhund , der kuschelig plüschig aussieht und jeder will ihn streicheln . Er mag das auch und sucht sogar selber Kontakt ! was er aber hasst , ist , wenn er unsanft auf dem Kopf geklopft wird . Für viele ja der normale Umgang mit einem fremden Hund . Da kann man erklären , so viel man will . es hilft nichts . Andere weichen aus und gehen , meiner schnappt direkt zu . Fazit : es berührt ihn halt einfach kein Fremder mehr und wenn , nur mit Maulkorb . Damit mein Hund lernt , einfach zu gehen

    • Hallo Ulli
      Wie gut, dass du die Konsequenzen ziehst und dafür Sorge trägst, dass deinem Hund niemand mehr auf den Kopf haut. Das weiß er sicher zu schätzen 😉 Du hast recht, es nutzt oft nichts lange zu erklären, deutlicher macht es dein mutiges Handeln!

  3. Über solche Kommentare stehe ich völlig drüber. Manchmal kann ich es den mir entgegenkommenden auch nicht verübeln, wenn Sie ein 60 kg Cane Corso als böse bezeichnen, aus Unwissenheit. Sehr viele finden ihn allerdings auf Grund seines Knautscheblickes auch total süß und wollen ihn immer gleich streicheln. Besondern fällt es mir bei älteren Menschen auf. Scheinbar fällt mein Bruno mit seinem Blick in dieses Kindchenschema rein. Bei allen anderen negativen Kommentaren denke ich mir meinen Teil, grinse und gehe weiter. Diskutieren bringt eh nichts. Mir reicht es, dass ich weiß, das er alles andere als böse ist und am Gehorsam 2 Tage die Woche auf dem Hundeplatz gearbeitet wird.

    • Hallo Claudia
      Da hast du mit 60kg auch viel Verantwortung an der Leine. Respekt! Darum zu wissen, dass der eigene Hund einer der Guten ist, hilft, die Kommentare abprallen zu lassen. Danke dir für den Kommentar 🙂

  4. Hallo Anna,
    dieses Gefühl anderen Menschen gegenüber kenne ich auch. Meine Familie und viele Bekannte und Freunde haben keine Erfahrung mit Hunden und waren total überfordert mit unserem Bobby. Er konnte es überhaupt nicht leiden, wenn ihm jemand zu nahe kam oder ihm sogar über den Kopf streicheln wollte. Die Frage: geht ihr denn nicht in die Hundeschule? hat immer besonders geschmerzt, weil wir uns gefühlt um nichts anderes gekümmert haben, als um die Erziehung unseres Hundes . Das Erstaunlichste: Je mehr es mir egal war, umso besser wurde auch das Verhalten von Bobby. Mittlerweile ist er der Liebling von allen. Jeder Hund ist anders und das ist ja das Tolle!
    Danke für den Beitrag! Viele Grüße von Andrea

    • Hallo Andrea,
      sich unabhängig von der Meinung anderer zu machen, ist echt eine tolle Lektion, die wir mit unseren Vierbeinern lernen dürfen. Bobby ist der beste Beweis wie wirkunsgvoll es sein kann 🙂
      Herzlichen Dank für deine Geschichte!

  5. Hallo Anna,
    deine Worte kommen heute genau zum richtigen Zeitpunkt und sind für mich Seelenbalsam :-)!
    Mir macht es derzeit immer mal wieder zu schaffen, dass unser Hund als „sturer Hund“ abgestempelt wird. Dabei bin ich der Meinung, dass es wohl eher daran liegt, dass ich ihm neue Kommandos nicht sofort gut rüberbringen kann und er dann erst einmal gar nicht weiß, was ich von ihm möchte und was er machen soll. Mehrmals gehört, mein Selbstbewusstsein klettert in den Keller und schon nimmt die Runde ihren Lauf….
    Vielen Dank und liebe Grüße, Steffi

  6. Oh wie guuuuuut mir dieser Beitrag tut!!! Vielen Dank, liebe Anna, für diese wahren und mutmachenden Worte, die bestimmt vielen Hundebesitzern von „Problemhunden“ aus der Seele sprechen, aber unser wundgeschubbertes Herrchen-/Frauchen-Herz vor Freude hüpfen lassen. Und DAS ist wichtig! Denn nur so, mit Freude und einem großen „Wir“-Gefühl, kann man einen individuellen Weg zu seinem Vierbeiner finden, der BEIDEN gerecht wird.
    Unser „Problemhund“ kriegt genau das zu hören: Er ist „böse“. Warum? Weil er irgendwann gelernt hat – bei unseren Vorgängern -, dass ihm keiner hilft. Und weil er seine Unsicherheit(en) kompensiert mit dem einzig nachvollziehbaren (aus Hundesicht): Sofort und unmissverständlich in die lautstarke Defensive gehen (die Zähnchen werden aber nicht eingesetzt, nur der ganze restliche Hund 😉 ).
    Natürlich finden das weder alle Hunde, noch ihre Besitzer toll. Und natürlich sucht man als Zweibeiner erstmal die uns vertraute Form von Konfliktvermeidung: Reden. Aber reden hilft nicht immer.
    Daher ist meine Devise „Ich diskutiere nicht mehr mit den Haltern – ich diskutiere mit den Hunden.“.
    Einem anderen Hund, der offensichtlich schon auf Krawall gebürstet auf meinen Hund zugeht, mit meiner Körpersprache unmissverständlich zu zeigen „Freundchen – versuch’s erst gar nicht…“, hat meinem Hund sehr viel mehr geholfen, als alles andere.
    Aber der Weg dorthin war gepflastert mit (du hast es so schön beschrieben!) Schuldgefühlen, Ohnmacht, Hundeschule, Verzweiflung und und und.
    Und erst dann habe ich begonnen, auf die zwei zu schauen und ihnen zu zuhören, die Ahnung davon haben, was sie individuell brauchen: Mein Hund und ich.
    Danke für deine Worte und Sicht der Dinge, die mir das nochmals bestätigt! Ich hoffe, viele Menschen finden durch deinen Beitrag auch zu dieser Sicht!

    • Liebe Angela
      Danke dir für deinen Kommentar! Ein mutiger Schritt, etwas anderes zu versuchen und mit den Hunden zu reden statt mit den Menschen oder vielmehr bei sich anzufangen. Ich kann nur wissen, was ich gerade brauche und das auch ohne das Zutun meiner Mitmenschen zu erfüllen. Sehr schöner Ansatz!

  7. Liebe Anna,

    Ja dieser Beitrag kommt wirklich sehr sehr passend .
    Da ich ihm Moment einen Pflegehund Namens Rosko
    habe der leider in seinem Leben nicht viel kennen lernen durfte, stehe ich jetzt vor einer großen Herausforderung . Da er Menschen ganz gruselig findet und dies auch sehr deutlich zeigt ist das nicht immer einfach .
    Aber ich sage mir immer und immer wieder es gibt keine bösen Hunde . Und Tag für Tag immer ein Stückchen macht mich glücklich wenn es ein wenig besser geht.
    Danke Anna für deinen Beitrag

    • Liebe Dorit,
      ein Hund, der Menschen gruselig findet, das ist echt eine Herausforderung. Du selbst kannst es verstehen und dich danach richten. Doch schwierig wird es, wenn du es Menschen erklären willst, die solche Hunde nicht kennen. Schön, dass er einen Platz bei dir gefunden hat und auf deine vorurteilsfreie Unterstützung bauen kann 🙂

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