Betriebsanleitung zur Hundeerziehung

Hier schreibt heute für dich Sina Jung von Herzenssache HUND in Stuttgart. Sie ist meine Kooperationspartnerin für den Workshop „Die Kraft der inneren Einstellung“ und für mich die beste Hundetrainerin der Welt. In ihrem nachfolgende Text geht es darum, wie widersprüchlich die Hundewelt tickt und dass es sich lohnt, zu hinterfragen, was wir für richtig und falsch halten, was uns in der Beziehung zu unserem Hund beeinflusst und wie wichtig es ist, auf sein Gefühl zu hören.

Immer häufiger erlebe ich das Phänomen, dass künftige Hundebesitzer Berge von Büchern gewälzt haben bis der Hund überhaupt kommt, denn von Anfang an muss alles richtig laufen. Versteh‘ mich nicht falsch, es ist super, sich bereits im Vorfeld damit auseinanderzusetzen, was du überhaupt willst. Denn ohne dein Ziel zu kennen, wirst du es bestimmt nicht erreichen und Hundetraining nach neuester Wissenschaft, das muss ja schon „richtig“ sein. Doch der heutige Mensch ist ein Perfektionist. Alles in unserem Leben muss perfekt sein: das Haus, der Job, die Kleidung, die Beziehung, die Kinder und natürlich auch der Hund.

Alles muss perfekt sein – auch der Hund!

Nur wir Menschen sind alles andere als perfekt. Weil man es nicht besser weiß, nimmt man jedes geschriebene Wort als die absolute Wahrheit hin. Spürt man ein Zähnchen des Welpen am eigenen Arm, muss sofort jegliches Spielen eingestellt werden. In diesem Moment muss das bestätigt werden, hier bitte sofort ignorieren, usw. Ein Masterplan, der zum Scheitern verurteilt ist. Das Ende der Leine muss konditioniert sein, ebenso wie jedes Wort, das ich mit meinem Hund austausche. Schnell baut sich eine Erwartungshaltung auf, was „richtig“ und was „falsch“ ist. Denn der Mensch bewertet alles in „richtig“ und „falsch“, „gut“ und „böse“. Nur blöd, dass unsere Hunde das nicht tun und dass wir Menschen es leider immer noch nicht schaffen, 24 h am Tag 7 Tage pro Woche perfekt und konsequent zu sein. Immer gut gelaunt, immer auf den Punkt. Und dann läuft es nicht so, wie wir uns das vorstellen.

Ist Wissen nur gut?

Training nach Wissenschaft ist Training, das Wissen schafft und Wissen ist ja schließlich „gut“. Nun geht es aber meiner Meinung nach eben nicht um Training, also das Antrainieren von Verhaltensweisen, sondern um eine stabile Beziehung, wenn es um Harmonie in der Mensch-Hunde-Beziehung gehen soll. Und nun ist es auch so, dass unsere Welt ohne „böse“ kein „gut“ kennen würde. Und ohne „falsch“ kein „richtig“. Beziehungen sind komplex. Aber nicht für jedes Lebewesen ist „falsch“ und „richtig“ dasselbe. Wenn ich nach Wissenschaft trainiere, trainiere ich nach einer Studie und zu jeder Studie gibt es bekanntlich mindestens eine Gegenstudie.

Jeder Hund und jeder Mensch ist einzigartig.

Es kommt auf das Individuum in der Studie an und die Mehrzahl dieser Studienteilnehmenden war eben genau so, die Minderheit nicht und in der nächsten Studie waren sie eben anders. Nach Wissenschaft trainieren heißt auch, permanent etwas zu verändern. Beinahe täglich gibt es eine neue Erkenntnis der Wissenschaft – egal ob zu Gesundheit, Beziehungen, zur Kommunikation, dem Wertewandel, zur Generation x, y, z. Wir brauchen Wissenschaft, um uns die Natur zu erklären, anstatt in der Natur zu leben.

Wir erklären Natur, anstatt Natur zu leben.

Nicht jede Person der Generation y vertritt die Werte der Generation y. Und nicht jeder Hund vertritt die Inhalte einer Studie. Genau dieselben Menschen wie ich auch die nur nach Wissenschaft trainieren, gehen zum Homöopathen, zum Osteopathen, zur Tierkommunikation. Das ist keine Wissenschaft. Es ist nicht anerkannt von unseren Theoretikern. Es konnte in keinem Labor belegt werden und trotzdem glauben wir dran. Wir glauben und vertrauen in etwas, das nicht bewiesen ist. Warum haben wir Menschen das Wertvollste verloren? Die Verbindung zur Natur – das Gefühl, das Spüren, das aufeinander Eingehen, das Kommunizieren – nicht über WhatsApp und Messenger.

Es gibt kein Patentrezept für Beziehungen.

Wir können nicht alles und jeden in Schubladen stecken, wir müssen wieder zurück zur Natur. Wir müssen aufhören zu werten, mit unseren Meinungen alle anderen zu überzeugen und alles durchzuboxen. Alles in „gut“ und „böse“ zu unterteilen. Wir müssen uns auseinander setzen, reiben, denken, spüren, handeln. Und akzeptieren. Akzeptieren, dass jeder seine Berechtigung hat, mit genau dem, was ihm wichtig ist. Es gibt leider in der Welt kein Patentrezept für Beziehungen. Dann wären auch die Scheidungsraten niedriger.

Beziehung fängt bei dir an

Besser wir verabschieden uns von der Idee, mit Wissenschaft alles erklären zu können, fangen an unsere Bücher zu hinterfragen und leben wieder mehr in dem Gefühl: Was tut mir wirklich gut? Nur wenn es mir gut geht, ohne dabei ein Egozentriker zu werden, kann ich Harmonie, Glück, Respekt, Vertrauen und Liebe schenken und andere, inklusive meinen Hund, damit anstecken.

Und bevor du mich jetzt am Ende mit Wissen – schaff(s)t, dieser Text ist nicht wissenschaftlich belegbar, sondern mein Gefühl, dass mich umtreibt und erfolgreich macht und auch ich nehme gerne hier und da Techniken aus der Wissenschaft an – genau da, wo und bei wem ich sie passend finde. (Sina Jung)

Sina und mir liegt dieses Thema sehr am Herzen und wir haben deshalb ein besonderes Konzept enwickelt, das dir hilft, wieder in Kontakt zu kommen mit dem, worum es eigentlich in deiner Beziehung mit deinem Hund geht. Beim Workshop Die Kraft der inneren Einstellung kombinieren wir unsere Kompetenzen aus individuellem Hundetraining und Persönlichkeitscoaching. Wir vermitteln dir die Grundlagen einer harmonischen Beziehung mit Hund und welche innere Haltung dein Hund von dir fordert. Anstatt andere Methoden zu kopieren, entwickelst du deinen eigenen Führungsstil und lernst, deinen Hund authentisch zu führen. Melde dich jetzt an und sichere dir deinen Platz!

Anna Meißner ist Strukturgeberin für Persönlichkeit und Entwicklung. Sie hilft dir, genau der richtige Mensch für deinen Hund zu sein.

6 Comments

  1. Hy Sina und Anna,
    das ist ein toller Text, den ich so unterschreibe!
    Leider habe ich bei meinem jetzigen Hund mich zu sehr von Ratgebern beeinflussen lassen, weil ich so unsicher war. Alex ist nicht mein erster Hund, aber mein erster Problemhund und er stellt mich vor Herausforderungen, die ich von den anderen nicht kannte. Da ich die Dinge zu Beginn nur wenig hinterfragt habe, habe ich auch so einiges leider falsch gemacht. Hätte diesen Beitrag zu Anfang gut gebrauchen können! 😉 Glücklicherweise bin ich wieder zu meinem vorherigen Ich zurückgekehrt und höre wieder auf mein Gefühl. Da hast Du absolut recht, das ist sooo wichtig! Ich eigne mir zwar immer wieder neues Wissen an, aber lasse mich nur noch von den Dingen inspirieren. All das, was für Alex und mich nicht passt, wird auch nicht gemacht! Unsere Beziehung und auch die Problembewältigungen werden dadurch stetig besser. Ich hoffe, viele Leute lesen Deinen Beitrag und folgen ihrem Herzen anstatt stumpf eine Methode auszuführen. Macht weiter so!
    Viele Grüße
    Anni

    • Hey Anni,
      vielen Dank für deine Erfolgsgeschichte von der unsicheren Hundehalterin (in Bezug auf Alex) hin zur selbstbewussten Hundeführerin, die sagt: „Was nicht zu uns passt, wird nicht gemacht!“
      Ganz, ganz toll!

    • Liebe Anni, vielen Dank für deine offen Worte. Es ist toll, dass ihr euren Weg gefunden habt und du nun weist, was du willst! Gerade der eine oder andere Umweg wird dich vielleicht genau dahin gebracht haben. Auch vermeindlich „falsche“ Dinge werden dir genau das aufgezeigt haben. Du darfst dich freuen über jede wertvolle Erfahrung, die ihr gemacht habt!

    • Hy Sina und Anna, danke Euch beiden! Ich freue mich in der Tat, auch wenn wir noch einiges zu tun haben, über das, was wir bereits geschafft haben. Und es stimmt, der Umweg hat uns so weit gebracht und im Endeffekt bin ich auch über jeden „Fehler“ dankbar!

  2. Das gefällt mir gut. Ihr habt mir wirklich aus der Seele gesprochen. Ich hoffe, dass dieser Artikel viele Hundehalter erreicht. 😉

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