Wer kurz nach sechs am Morgen versucht, meinen Hund aus seinem Körbchen zu bewegen, der muss schon tief in die Motivationskiste greifen. Schließlich hilft oft nur, ihn mitsamt des Körbchens auszuleeren. Dennoch dachte ich lange Zeit, ich müsste jetzt besonders schnell sein, damit er noch so richtig auf seine Kosten kommt und schön müde ist, um den Vormittag über wieder zu schlafen, während ich bei der Arbeit bin. Das war echt ein Stress. Denn anstatt ruhiger, wurde das Kerlchen immer hibbeliger und die Runden immer länger. Wir waren schließlich beide an der Belastungsgrenze und zwei ziemliche Nervenbündel.

Kennst du dein Tempo?

Viele wünschen sich, mehr Gelassenheit im Alltag mit Hund und dass sie sich im eigenen Tempo bewegen können. Doch sie gehen stattdessen an ihre Belastungsgrenzen und an die des Hundes, weil sie glauben, dadurch würde sich der Hund schließlich beruhigen und sie könnten dann entspannen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Menschen mit Hund hetzen sich oftmals von einem Auslastungstermin zum nächsten und bringen die Gassirunde in einem Affenzahn hinter sich. Das hat nicht mehr viel mit Ausgleich, Ruhe und Gelassenheit zu tun, nach der sich Mensch und Hund eigentlich sehnen.

Wenn du dich entspannt im eigenen Tempo bewegst, dann atmest du gleichmäßig und ruhig. Du hast Zeit, dich und deinen Hund wahrzunehmen und dich auf das, was gerade ist, einzustellen. Dein Tempo ist machbar und du spürst, dass dir die Kraft nicht so schnell ausgehen wird. Die Motivation und Freude bei der Bewegung kommen ganz von alleine, weil es leicht geht. Das fühlt sich gut an.

Mehr Gelassenheit im Alltag mit Hund durch Achtsamkeit

Manchmal müssen wir unser Tempo nach anderen richten und es verändern. Wir können uns beschleunigen, indem wir früher aufstehen und Hunde aus dem Körbchen leeren, einen Schritt schneller gehen und mehr in kürzerer Zeit tun. Dann wiederum können wir uns auch bremsen oder werden manchmal auch gezwungen, langsamer zu machen, z. B. wenn wir krank sind oder der Hund krank ist. Es ist sinnvoll, dass wir unsere Geschwindigkeit anpassen können. Leider vergessen wir immer wieder, dass wir das Tempo selbst vorgeben können. Stattdessen denken wir, wir müssten uns an anderen orientieren, uns antreiben und (noch) schneller sein.

Heute weiß ich, dass ich nicht des Hundes wegen schneller gehen muss. Mein Langschläfer – der übrigens durchaus mal Gas geben kann – hat mich gelehrt, wie wichtig es ist, auf sein und mein Tempo zu achten. Mit ihm lerne ich, mit verschiedenen Tempi zu spielen, mich ihm bewusst anzupassen und dann auch wieder mein eigenes Tempo zu finden. Ich habe verstanden, dass ich selbst das Tempo vorgeben kann – auch dann, wenn es mal stressig wird. Das gilt auch für alle anderen Lebensbereiche.

Spürst du den Unterschied, wenn du mit oder ohne Hund spazieren gehst? Wie verändert dein Hund dein Tempo?